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Sterbebegleitung

 
     
   
das bedeutendste Anwendungsgebiet der Thanatopsychologie, bezeichnet all jene plan- und absichtsvoll durchgeführten Maßnahmen, Verhaltensweisen und Interaktionen, die von professionellen Betreuern, ehrenamtlichen Helfern und/oder Angehörigen vorgenommen werden, damit Sterbende jeden Alters während ihres letzten Lebensabschnitts so leben können, wie es ihren individuellen Bedürfnissen und ihrer spezifischen Art der Auseinandersetzung mit der Aussicht ihres bevorstehenden Todes (d.h. des Verlusts der Welt) entspricht.

Aus Sicht der Verhaltenswissenschaften umfaßt Sterben nicht die kurze Spanne unmittelbar vor Eintritt des Todes, sondern einen u.U. langen Zeitraum von Monaten oder gar Jahren (z.B. bei einem AIDS-Kranken). Bestimmend für diese Sichtweise sind die Kommunikations- und Interaktionsstrukturen, die zwischen einem unheilbar Kranken und den Personen in seiner Umgebung (Pflegepersonal, Ärzte, Angehörige) bestehen, sowie die intrapsychischen Anpassungsprozesse, die mit diesen Interaktionen verbunden sind.

Sterbebegleitung beinhaltet fünf Dimensionen: die körperliche (Schmerz), die psychische (Autonomie), die soziale (zwischenmenschliche Beziehungen), die spirituelle (Sinngebung; Lebenssinn), die sächliche (Raumausstattung).

Bei der Sterbebegleitung lassen sich im wesentlichen zwei Ebenen unterscheiden. Sterbebegleitung im engeren Sinne umfaßt die unmittelbare Interaktion zwischen dem Sterbenden und seinen Begleitern. Auf seiten der Begleiter ist sie durch Verhaltensmerkmale bestimmt, die aus einem auf Ganzheitlichkeit und Wertbezug ausgerichteten Menschenbild abgeleitet sind und insofern der Humanistischen Psychologie sowie der Gesprächspsychotherapie nahestehen. Damit verbindet sich der Anspruch, die Individualität und Werthaftigkeit des in der Regel stark beeinträchtigten Menschen in der Endphase seines Lebens zu bewahren bzw. zu fördern. Sterbebegleitung folgt somit allgemeinen Grundsätzen, die sich aus den wichtigsten psycho-sozialen Bedürfnissen Sterbender ableiten lassen: 1) Die Kompetenzen des Sterbenden sollen bewahrt werden. 2) Der Sterbende soll Hilfestellung bei der Artikulation seiner Gefühle erhalten. 3) Den individuellen Bedürfnissen des Sterbenden nach Kommunikation mit und Zuwendung von wichtigen Bezugspersonen soll Rechnung getragen werden. 4) Art und Intensität der Auseinandersetzung mit seinem eigenen Sterben und seinem eigenen Tod soll der Betroffene selbst bestimmen. Sterbebegleitung im weiteren Sinne bezieht die Unterrichtung von Betreuern und Angehörigen im Umgang mit Sterbenden mit ein (Death Education). Sie ist eingebettet in gesellschaftliche Strukturen und Wertvorstellungen.

Die Beschreibung und Erklärung von Interaktions- und Kommunikationsstrukturen in der Sterbebegleitung erfolgt zweckmäßigerweise unter einer systemorientierten Perspektive, die den Rückkopplungsschleifen zwischen Sterbendem und Betreuer, zwischen Betreuer und Instruktor/Supervisor sowie – indirekt durch Vermittlung des Betreuers – zwischen Sterbendem und Instruktor Rechnung trägt und auch den Einfluß gesellschaftlicher Rahmenbedingungen zu berücksichtigen gestattet. Empirische Erkenntnisse über die Wirkungsweise von Sterbebegleitung, insbesondere auch über unerwünschte bzw. unbeabsichtigte Begleiterscheinungen, liegen noch nicht vor.

Literatur

Garfield, C. A. (Ed.)(1978). Psychosocial Care of the Dying Patient. New York: McGraw-Hill.

Schweidtmann, W. (1991). Sterbebegleitung. Menschliche Nähe am Krankenbett. Stuttgart: Kreuz.


 
     
 
 
 
     
 
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