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Altersprozesse endokrinologische

 
     
   
Altersprozesse, endokrinologische, aus der Sicht der Psychoneuroendokrinologie feststellbare Entwicklungen und Veränderungen im Alter. Es ist bekannt, daß sich diverse endokrinologisch relevante Erkrankungen erst in höherem Lebensalter entwickeln (z.B. Diabetes mellitus = Zuckerkrankheit, Hypothyroidismus = Überfunktion der Schilddrüse). Auch in Hinblick auf kognitive Prozesse sollte beachtet werden, daß Formen reversibler Demenzen in nicht unbeachtlichem Ausmaß (ca. 15-20%) endokrine Ursachen haben (z.B. Schilddrüsendysfunktionen, Hypophyseninsuffizienz). Besonders deutlich wird die lineare Beziehung zwischen zunehmendem Alter und Abnahmen der GH-(Growth Hormon; Wachstumshormon) Konzentrationen, wobei sich dies nicht nur auf basale Hormonspiegel, sondern auch auf die Stimulierbarkeit der Ausschüttung (z.B. durch Dopaminagonisten) bezieht. In Hinblick auf die Aktivität der Hypophysen-Nebennierenrindenachse (HHNA) zeigt sich, daß nicht nur basale Konzentrationen zumindest bei prämenopausalen Frauen zunehmen, sondern auch, daß die Stimulationen der Achse (z.B. durch Dexamethason) nicht nur bei einigen depressiven Patienten, sondern auch bei älteren Gesunden vermindert gelingt. Die Hypothalamus-Hypophysen-Schilddrüsenachsen- (HHSA-) Steuerung unterliegt ebenfalls Altersprozessen in der Art, daß u.U. kompensatorisch die TSH-Spiegel (TSH = Schilddrüsen stimulierendes Hormon) aufgrund geringer T3/T4-Konzentrationen (T3 = Trijodthyrionin, T4 = Thyroxin) ansteigen. Desgleichen wird berichtet, daß die Sensitivität der Achse erhöht ist, da ältere Menschen generell weniger Thyroxin zur Aufrechterhaltung eines "euthyreoten" (normalen Schilddrüsen-) Zustands benötigen. Mit zunehmendem Alter reduziert sich die Testosteronkonzentration beim Mann, wobei die z.T. aufrechterhaltene sexuelle Aktivität über eine zunehmende Sensitivierung des Systems (Schwellenverlagerung) erklärt wird. Auch in diesem Zusammenhang werden o.g. Rückkopplungsmechanismen relevant, da sie die erhöhten LH- / FSH- Konzentrationen (LH = Luteinisierendes Hormon, FSH = Follikel stimulierendes Hormon) beim älteren Mann als Folge einer Gonadeninsuffizienz (niedrige Testosteronspiegel) erklären könnten. Wie im Falle der Gonadotropine werden für ältere Männer höhere Konzentrationen von Östradiol und auch des SHBG (sex hormone binding globulin) berichtet. Bei Frauen geht mit dem Rückgang von Östradiol und Progesteron mit zunehmendem Alter ein Anstieg der LH- und FSH- Konzentrationen einher, der nach dem 60. Lebensjahr wieder rückläufig ist. Die Konzentration von LH-RH (Releasing Hormon für luteinisierendes Hormon) hängt eher von der Menopause als vom Alter ab, was als Ausdruck der abnehmenden Ovarialfunktionen zu werten ist. Mit steigendem Alter nimmt die Testosteronproduktion der Ovarien zu, wobei eine große Varianz durch den Einfluß soziodemographischer Faktoren (z.B. höhere Werte bei berufstätigen Frauen) zustande kommt, aber der Hormonanstieg auch selbst Veränderungen zur Folge haben kann (z.B. Engagement in politischen Vereinigungen, erhöhtes Aggressionspotential). Für PRL (Prolaktin) ist die Befundlage eher uneinheitlich, wobei - wie beim Kortisol - Alterseffekte in Hinblick auf den circadianen Rhythmus (Vorverlegung der Akrophase = Gipfelkonzentration) berichtet werden. Zusammengefaßt scheint sich der mit der Reduktion von Hormonkonzentrationen verbindende Alterungsprozeß in erster Linie auf die endokrinen (peripheren) Organe zu beziehen, was zu den oben genannten Rückkopplungsprozessen und z.T. erhöhten Konzentrationen von Releasing-Hormonen bzw. Neuropeptiden führt (Hormone, Psychoneuroendokrinologie).
 
     
 
 
 
     
 
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