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Charisma

 
     
   
»Gnadengabe«, die Strahlkraft, die von manchen Heiligen, Propheten, politischen Führern, Forschern, Künstlern, aber auch Rebellen oder gar Verbrechern auszugehen scheint. Manche Formen der Gesellschaftsordnung berufen sich geradezu auf das Charisma, das den Führern eine unbezweifelbare Autorität, eine Art »Gottesgnadentum« verleihe. Aber nicht jeder, der zur Führung fähig ist, strahlt auch Charisma aus, und mancher Winkelwahrsager oder Straßenprediger, der außerhalb seiner vorübergehenden Funktion über keinerlei Macht verfügt, besitzt es. Das Charisma hängt von dem Glauben ab, den es auslöst, »und fällt mit ihm dahin« (Max Weber). Man könnte auch sagen, es entsteht, wenn ein Mensch Eigenschaften besitzt, an die sich ein Glaube heften kann. Zu diesen Eigenschaften gehört die Kühnheit, sich über Normen hinwegzusetzen; oder die Gabe, auf die Eingebungen zu hören, die scheinbar von einer fremden Macht, in Wahrheit aus dem Unbewußten stammen; und immer die Fähigkeit, der eigenen Kraft zu trauen. So strömen die Politiker, die sich als »Macher« den Sachzwängen unterordnen, kein Charisma aus, wohl aber die Demagogen, denen man noch in den Untergang folgen würde wie der Flöte des »Rattenfängers von Hameln«. Wie die Überzeugung von der eigenen Stärke von einem Einzelnen als Charisma auf andere überströmt, läßt sich heute gut an den großen »Enter tainern« sehen, die auf der Bühne einen Abend lang ganz »da sein« müssen, um mit ihren Darbietungen das Publikum zu verzaubern.Griechisch für Begnadung; in der Soziologie des Führertums von M. Weber Ausdruck der Fähigkeit des «geborenen Führers», Menschen für sich einzunehmen und zu begeistern. In der modernen Gruppendynamik und Sozialpsychologie wird stark angezweifelt, ob es einen «geborenen Führer» unabhängig von den Erwartungen der Geführten und der vorgegebenen Gruppenstruktur gibt. Die Forschung scheint eher dafür zu sprechen, daß der Führer seine Stellung in einer Gruppe keineswegs aufgrund einer angeborenen, nicht weiter erklärlichen Befähigung einnimmt, sondern daß er eine Rolle übernommen hat, die sehr stark von gerade dieser Gruppe bestimmt wird.
 
     
 
 
 
     
 
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