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Geburtserlebnis

 
     
   
ist von hoher Bedeutung für die Individualentwicklung, worauf bereits in den zwanziger Jahren vor allem von psychoanalytischer Seite, z.B. von Otto Rank, hingewiesen wurde - obwohl man damals die Existenz einer pränatalen Verhaltensausstattung und die Wahrnehmungs- und Erinnerungsfähigkeit Neugeborener noch negierte. Die Überlegungen gingen von den evolutionsbedingten körperlichen Veränderungen (Entwicklung des aufrechten Ganges bei gleichzeitiger Zunahme des Schädelumfangs) aus, die beim Menschen dazu geführt haben, daß die Geburt für die Mutter eine sehr schmerzhafte Erfahrung ist und für das Kind eine zum Teil mit Verletzungen an Kopf und Gehirn einhergehende extreme körperliche Belastung darstellt. Als Geburtstrauma wurden die psychologischen Begleiterscheinungen dieser Mikrotraumen und des Kampfes mit dem engen Geburtskanal, des ständigen Ausgestoßen- und Zurückgehaltenwerdens und der anschließenden Befreiung bezeichnet, die die Geburt zum existentiellen Grenzereignis machen und Erlebnisweisen wie Angst vor Dunkelheit oder geschlossenen Räumen bewirken soll. Allerdings liegen bisher keine empirischen Untersuchungen dazu vor, lediglich Traumberichte und Beobachtungen in psychotherapeutischen Settings (z.B. unter Hypnose oder LSD) wurden als Belege angeführt. Auch neuere Geburtsmethoden, z.B. die Methode der sanften Geburt (Geburt, sanfte) gehen von der Annahme aus, daß die Geburt für das Neugeborene wegen des mit massiven physiologischen Umstellungen verbundenen, abrupten Übergangs in die extrauterine Umgebung eine Streßbelastung darstellt, was u.a. durch den Nachweis des Anstiegs von Streßhormonen unter der Geburt belegt werden konnte. Besondere Aufmerksamkeit wurde in letzter Zeit aus ökologisch-systemischer Sicht dem Erleben der Geburt durch die Mutter und den Vater gewidmet. Vor allem Väter, die bei der Entbindung dabei waren, berichten davon, daß sie die Geburt als überwältigendes Ereignis erlebt und dabei ein außerordentliches Glücksgefühl empfunden haben, was als sog. "engrossement" bezeichnet wird. Darüber hinaus konnte nachgewiesen werden, daß ein positives Geburtserlebnis und ein gelungener Erstkontakt sich förderlich auf die spätere Eltern-Kind-Beziehung auswirken kann.


 
     
 
 
 
     
 
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