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Kinder gefolterter Eltern

 
     
   
stehen seit einigen Jahrzehnten auch im Mittelpunkt sozialwissenschaftlichen Interesses. Folter in seiner extremen Formen schädigt nicht nur das unmittelbare Opfer für sein ganzes Leben, sondern auch dessen Kinder und Enkel und ist eine generationen-übergreifende Erfahrung. Der vorher starke, beschützende Vater ist durch die Folter oft zu einem hilflosen, zerbrochenen Menschen geworden, auch die Mutter vermag nicht mehr die Zuwendung und den emotionalen Schutz wie vorher zu geben (Folteropfer). Die Eltern wirken und reagieren für sie fremd, sind emotional nicht (mehr) erreichbar und wirken u.U. bedrohlich. Die Kinder fühlen sich von den Eltern verlassen und reagieren auf das Gefühl des Alleingelassenseins ganz unterschiedlich . Übernehmen sie später bei Behördern oder Ärzten Dolmetscherfunktion, erfahren sie Teile der bis dahin unausgesprochenen Geheimnisse der Folter und damit häufig erst das gesamte Ausmaß der Erniedrigung und Mißhandlung der Eltern. Die Rollen sind vertauscht, wodurch weitere Konflikte mit Aggressionen, Schuldgefühlen und Wutausbrüchen der Eltern entstehen und sich die familiäre Situation ins Unerträgliche steigern kann. Überdies tragen Kinder gefolterter bzw. traumatisierter Eltern die traumatische Vergangenheit ihrer Eltern durch deren "emotionale Anästhesie" (Versteinerung) unbemerkt an die nächsten Generationen weiter.

Literatur

Wirtgen, W. (Hrsg.) (2000). Trauma - Wahrnehmen des Unsagbaren. (2 Aufl.). Heidelberg: Asanger.

Mögliche Reaktionen von Kindern gefolterter Eltern auf das Gefühl des Alleingelassenseins.


 
     
 
 
 
     
 
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