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Längsschnittstrategie

 
     
   
Untersuchungsanlage, die dem Anliegen der Entwicklungspsychologie, der Beobachtung des Verhaltens und Erlebens im Verlauf der Ontogenese, am nächsten kommt. Diese intraindividuellen Veränderungen verlangen die wiederholte Datenerfassung bei denselben Individuen zu mehreren Zeitpunkten im Verlauf des Lebensabschnitts, der den Rahmen der Untersuchung absteckt - z.B. die Übergänge vom aktiven Berufsleben in das Stadium der Ausgliederung aus dem Berufsleben als Thema der Gerontopsychologie. Veränderungen des Verhaltens und des Erlebens (z.B. des Selbstkonzepts), die bestimmten Orten des zeitlichen Kontinuums eines individuellen Lebenslaufes zuzuordnen sind, sind nach Thomae "Entwicklung". Diese Veränderungen setzen die begrifflich-theoretische Identität des Beobachtungsgegenstandes voraus. Der geforderte Zusammenhang zwischen diesen Veränderungen verlangt eine Konstruktstabilität des sich wandelnden psychischen Objekts. Der Längsschnittmethode verlangt man die Abbildung dieser Wandlungsprozesse ab; sie zielt darauf ab, bei demselben Individuum zu verschiedenen Zeitpunkten mit denselben bzw. vergleichbaren Methoden längerfristige - d.h. am Lebenslauf orientierte - Variabilität bzw. Konstanz von psychischen Merkmalen abzubilden.

Die längsschnittliche Sicht des einzelnen Individuums bei der klinischen und charakterologischen Falldarstellung (Kasuistik) ist nach Thomae eine Vorstufe der Längsschnittuntersuchung, die insbesondere über Daten der Anamnese in der psychiatrischen und tiefenpsychologischen Entwicklungsforschung den inneren und äußeren Lebenslauf eines Individuums meist retrospektiv, seltener begleitend, zu rekonstruieren versucht. Bei der Längsschnittstrategie handelt es sich hingegen um ein Forschungsdesign, in dem eine möglichst repräsentative Stichprobe zu verschiedenen (Alterns-) Zeitpunkten mit demselben, oder jeweils äquivalentem, Meßinstrumentarium - wiederholt - untersucht wird.

Der Vorteil dieser Strategie ist ein direkter deskriptiver Informationsgewinn über intraindividuelle Variabilität bzw. Konstanz, der sich über Verlaufskurven (mit Alters-Abszisse und Variablen-Ordinate) abbilden läßt. Die Nachteile sind: 1) Wiederholungseffekte der Testungen, z.B. Übungs- und Gedächtniswirkungen; 2) Selektive Stichprobenänderung, z.B. durch Mobilität, Mortalität oder auch Motivationsschwund; 3) Konfundierung von Alter und Datenerhebungszeit; 4) mangelnde Generalisierbarkeit der Befunde, wenn nur eine Stichprobe "verfolgt" wird - zumal diese meist eine selektive Auswahl an motivierten, stabilen, evtl. auch veränderungsresistenten Probanden darstellt; 5) Konstrukt- und Methoden-Invarianz über die Zeit; 6) Versuchsleiter-Alterung (einschl. Mortalität).

Literatur

Thomae, H. ( 1972) Forschungsmethoden der Entwicklungspsychologie. In H. Thomae (Hrsg.), Entwicklungspsychologie. Handbuch der Psychologie, 3. Bd. Göttingen: Hogrefe.


 
     
 
 
 
     
 
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