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Selbstkonzept

 
     
 
ein Begriff, der in psychologischen Arbeiten teilweise synonym zu Selbst, Selbstwertgefühl, (engl. "self", "self-esteem", "self-concept") verwendet wird, wobei nicht immer klar ist, was genau das Konstrukt Selbst oder Selbstkonzept im Kernbereich umfaßt. Grob sind zumindest zwei Anteile zu unterscheiden, nämlich die beschreibenden Kognitionen einer Person über sich selbst (Selbstkonzept) und die Bewertung dieser Kognitionen (Selbstwertgefühl); das Selbst ist der beide Aspekte umfassende Begriff. Weitere, häufig auch synonym verwendete Begriffe sind u.a. Selbst-Theorie, Selbst-Bild, Selbst-Beschreibung oder Selbst-Schemata. Durch den unpräzisen Gebrauch zentraler Selbst-Begriffe wird ein Vergleich der Forschungsergebnisse erschwert (Rustemeyer, 1993). Hinzu kommt die Verwendung bedeutungsähnlicher Begriffe in anderen Wissenschaftsdisziplinen wie z.B. der Soziologie, Pädagogik oder Philosophie (so der Begriff der Identität), aber auch in verschiedenen psychologischen Disziplinen wie der Sozial- und Entwicklungspsychologie oder den verschiedenen therapeutischen Schulen (Freud, Rogers, Perls etc.). Seit den 70er Jahren hat sich das Konstrukt des Selbst zunächst in der Sozialpsychologie, später dann auch in der Entwicklungspsychologie als sehr fruchtbar und anregend für die empirische Forschung erwiesen. Aus sozialpsychologischer Perspektive werden primär Fragen nach Struktur und Funktion des Selbst mit dem Ziel der Erforschung allgemeingültiger Gesetzmäßigkeiten bzw. Regelmäßigkeiten verfolgt, während unter entwicklungspsychologischer Perspektive stärker die Frage nach Entwicklung und Veränderung des Selbst über die Lebensspanne im Vordergrund steht.

Struktur und Funktionen des Selbst a) Während in früheren Arbeiten von einem globalen Selbstkonzept ausgegangen wurde, wird heute das Selbstkonzept in Teilkonzepte (wie körperliches, akademisches, soziales Selbstkonzept etc.) ausdifferenziert; allerdings wird das Selbstwertgefühl (self-esteem) weiterhin als globales Konzept definiert und mit entsprechenden Instrumenten gemessen. (Abb.1). Insbesondere auf dem Hintergrund des Social-Cognition-Ansatzes wird das Selbstkonzept als eine (dynamische) Struktur relativ überdauernder Selbstschemata (Selbstkonzeptionen) aufgefaßt (Hannover, 1997), wobei eine Anlehnung an Modelle der gedächtnismäßigen Repräsentation selbstrelevanten Wissens stattfindet (Gedächtnis) . Alle diese Modelle gehen mehr oder weniger explizit von einer multiplen kognitiven Struktur (Facettenreichtum) aus, die aber trotzdem das Selbstkonzept als Einheit nicht zwangsläufig in Frage stellt (Kognition). Dabei tritt das Paradoxon zwischen der (subjektiv) wahrgenommenen Einheit (Generalität) des Selbstkonzepts einerseits und dem Facettenreichtum (auch Spezifität) andererseits auf. b) Das Selbstkonzept besitzt eine Strukturierungsfunktion, d.h. selbstrelevante Informationen werden anders, z.B. schneller verarbeitet als nicht selbstrelevante Informationen. c). Die motivationale Funktion des Selbstkonzepts besteht zum einen in der Stabilisierung des Selbst. Damit wird dem Bedürfnis des Individuums nach personaler Kontinuität Rechnung getragen, ohne die ein Mensch kaum lebensfähig wäre; zum anderen wird von einem Motiv nach Selbstwerterhöhung ausgegangen, wobei beide Motive verhaltensregulierend wirken. Eine Vielzahl selbstwertdienlicher Strategien und Regulationsmechanismen zum Erhalt und zur (Wieder-)Herstellung des psychischen Gleichgewichts und Wohlbefindens ("Self-Serving-Bias", "selektive Informationssuche und -verarbeitung" etc.) sind untersucht und bestätigt worden (Stahlberg, Osnabrügge & Frey, 1985). Fazit: Die starken konzeptuellen Divergenzen, die die Selbstkonzept-Forschung von Beginn an gekennzeichnet haben, sind noch keineswegs zufriedenstellend gelöst. Inzwischen konzentriert sich das Interesse stärker als früher auf die dynamischen (auch “unbewußten”) Aspekte des Selbst.

Literatur

Hannover, B. (1997). Das dynamische Selbst. Bern: Huber.

Rustemeyer, R. (1993). Aktuelle Genese des Selbst. Motive der Verarbeitung selbstrelevanter Informationen. Münster: Aschendorff.

Stahlberg, D., Osnabrügge, G. & Frey, D. (1985). Die Theorie des Selbstwertschutzes und der Selbstwerterhöhung. In D. Frey & M. Irle (Hrsg.), Theorien der Sozialpsychologie (Bd. III: Motivations- und Informationsverarbeitungstheorien, S. 79-124), Bern: Huber.
 
     
 
 
     
 
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