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Säkularisation

 
     
  eigentlich: Anpassung an das (neue) Jahrhundert; im engeren Sinne: die Übertragung kirchlicher Besitztümer und Machtansprüche auf weltliche Inhaber; allgemein: die Lösung kultureller Traditionen und Einrichtungen von ihrem religiösen Ursprung. Diese Entwicklung hat namentlich die europäische Geschichte mindestens seit dem Ausgang des Mittelalters bestimmt. Die Religion und die Kirche als deren Institution haben mehr und mehr an allgemeinverbindlicher Kraft verloren. Der Glaube wurde durch die Bemühung um Erkenntnis und deren nützliche Anwendung, also durch Wissenschaft und Technik immer stärker infrage gestellt. Man befreite sich von Tabus, wurde eben dadurch anpassungsfähiger, vielfältiger und konnte seine Leistungen steigern. Doch wuchsen damit auch die Zweifel. Anstelle der einen unbedingten Überzeugung, die jeden und alles band, trat ein Geflecht unterschiedlicher Erfahrungen und Regeln, das immer schwerer zu überschauen war. So erweckte die Versachlichung wieder und wieder die Sehnsucht nach einem einfachen Glauben, in dem man sich heimisch fühlen könnte. Nicht einmal die grausigen Erfahrungen mit dem Wahnglauben des Nationalsozialismus haben diese Art der Nostalgie ausschalten können. Der Weg aus der Entfremdung, die unsere moderne Leistungsgesellschaft beherrscht, kann aber nicht mit Hilfe einer Ideologie als Ersatzreligion gefunden werden, sondern nur durch eine vernunftbestimmte Erkenntnis auch der seelischen Bedürfnisse des Menschen – also durch »praktische Psychologie«.  
     
 
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