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soziale Bezugnahme

 
     
   
auch: social referencing, gegenseitige Rückversicherung; der rückversichernde Blick, der sich bei Gefahren beobachten läßt, die von Abgründen (visuelle Klippe), fremden Personen oder attraktiven und zugleich bedrohlichen Spielzeugen (Spielzeug-Roboter) ausgehen; eine der auffälligsten Entwicklungen in der zweiten Hälfte des ersten Lebensjahres, in der sich die verstärkte Bezogenheit zwischen dem Kleinstkind und seinen Bezugspersonen unter anderem in der gegenseitigen Lenkung der Aufmerksamkeit (etwa durch die Zeigegeste) und in der gegenseitigen Mitteilung der emotionalen Befindlichkeit äußert. Ist das Kind im Zweifel, ob das, was es tut, "in Ordnung" ist, dann blickt es zu seinen Bezugspersonen und orientiert sich an deren emotionalen Ausdrucksverhalten. Die gegenseitige Rückversicherung ist in diesem Alter sehr wichtig, weil die zugleich einsetzende selbständige Fortbewegung viele neue Gefahrenquellen für das Kind erschließt. Ab etwa zehn Monaten schauen die Babys ihren Betreuungspersonen bei der Bezugnahme bevorzugt ins Gesicht, weil die Informationen, die sie dort erhalten können, am genauesten sein dürften. Im zweiten Lebensjahr wird die soziale Bezugnahme immer häufiger. Insgesamt dient die Orientierung am emotionalen Ausdrucksverhalten der Betreuungspersonen Kindern dazu, Ereignisse zu verstehen, die für sie mehrdeutig sind oder ihre eigenen Fähigkeiten der Bewertung übersteigen. In einem klassischen Experiment wurden Kinder von genau einem Jahr auf einen Apparat gesetzt, der einen "Abgrund" suggerierte, der mit Plexiglas bedeckt war (visuelle Klippe). War der Abgrund zu niedrig, dann krabbelten die Kinder einfach darüber hinweg. War der Abgrund zu tief, dann hielten alle Kinder am Rande an. Nur bei einer bestimmten Höhe entstand gerade soviel Unsicherheit bei den Kindern, daß sie beim Krabbeln innehielten und ihre Mütter anblickten. Lächelte die Mutter ihr Kind an, so überquerte das Kind die visuelle Klippe in allen Fällen. Stellte sie Furcht auf ihrem Gesicht dar, dann wandten sich alle Kinder von der "gefährlichen Stelle" ab . Bei einem ärgerlichen Gesicht der Mutter ließen sich nur 89% der Kinder vom Überqueren des Abgrunds abhalten. Standen sowohl Mutter wie auch Vater als Referenzperson zur Verfügung, so schauten Einjährige beide Eltern in etwa gleich häufig an. Wenn das Ausdrucksverhalten einer Referenzperson uneindeutig war oder die Signale beider Eltern konfligierten, dann reagierten die bezugnehmenden Kleinkinder vermehrt mit negativen Emotionen sowie mit gehemmtem oder belastetem Verhalten.

Literatur

Sorce, J.F., Emde, R.N., Campos, J. & Klinnert, M.D. (1985). Maternal emotional signaling: Its effects on the visual cliff behavior of 1-year-olds. Developmental Psychology, 21, 195-200.


 
     
 
 
 
     
 
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