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Spießbürger

 
     
   
eigentlich: die Mitglieder einer Bürgerwehr, die ihre Stadt mit dem Spieß zu verteidigen hatten, zum Unterschied von den berittenen Edelleuten; heute Menschen mit begrenzten Erfahrungen, die ängstlich am Hergebrachten festhalten und kleinlich über jede Abweichung richten. Sie sind zugleich »Banausen«, d. h. ohne Sinn für die eigentlich kulturellen Werte. Meist gehören sie zum »Kleinbürgertum«, also zur Schicht der niederen Angestellten und Beamten, der Handwerker und Einzelhändler. Sie dünken sich den Arbeitern (Proletariat) überlegen, obwohl sie nicht wesentlich weniger abhängig und materiell beengt sind. Eben diese Abhängigkeit im Widerspruch zu ihrer Sehnsucht, für mehr zu gelten, ist es, die sie nötigt, sich genau an das zu halten, was »man« tut, sagt und denkt. Aber sie sind der Obrigkeit nicht mehr bloß deshalb gehorsam, weil sie sich vor der Macht fürchten, sondern sie haben sich im Lauf ihrer Entwicklung selbst überredet, es sei richtig, was man von ihnen – und mit ihnen – verlangt. Sie haben die Gebote verinnerlicht (vgl. Über-Ich), denen sie folgen, und an die sie auch alle anderen gebunden sehen möchten. Erst mit der Zahl Gleichgesinnter er werben sie Macht. Sie sind wie Nullen, die erst zählen, wenn sie sich hinter eine »Eins«, einen Führer, gestellt haben. So stellten sie auch die erste Anhängerschaft Hitlers. Zwar sind sie meist infolge ihrer Lebensumstände und ihrer beschränkten Bildungnicht in der Lage, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Aber darüber hinaus sträuben sie sich auch, neue Entwicklungen wahrzunehmen und daraus Einsichten zu gewinnen, die sie in ihren Meinungen erschüttern könnten. In diesem Sinne gibt es »Spießbürger« in allen Schichten.
 
     
 
 
 
     
 
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