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Tageszeiten

 
     
   
haben einen deutlichen Einfluß auf die seelische Verfassung des Menschen. Ihr regelmäßiger Wechsel wird unmittelbarer noch als der der Jahreszeiten zum Vorbild für die Einsicht in die zyklischen Abläufe des Lebens. Wie die Folge von Winter und Frühling, so versichert uns nach jeder Nacht der Morgen, daß jede Dunkelheit überwunden werde. Daraus ergibt sich sogar die Hoffnung, daß wie auf den Schlaf das Erwachen so auch auf den Tod ein neues Leben folgen müsse. Im allgemeinen schenkt uns der neue Morgen neue Kraft und Zuversicht. Sie reicht oft bis zum Mittag. Die Ermüdung, die er mit sich bringt, muß überwunden werden, damit auch die zweite Tageshälfte Leistungen ermöglicht. Die Nachmittagsdämmerung wird meist von einem leisen Gefühl der Wehmut begleitet. Der Abend gehört dann der Muße oder der Jagd nach zweckfreiem Vergnügen. Die Nacht endlich »ist nicht allein zum Schlafen da«, sondern auch die Zeit der Heimlichkeit, der Liebe, der Lust, des Lasters und des Verbrechens. Der Charakter des Abends und der Nacht hat sich in der Geschichte der Kultur recht erheblich geändert. Die Großstadt findet überhaupt nicht mehr zur Ruhe. Auch sonst hat sich der natürliche Rhythmus für unzählige Menschen verschoben. Die Bedeutung der Mittagszeit als »Stunde des Pan«, also als Zeit der Wollust, ist heute kaum mehr verständlich. Viele Leute haben unter dem Einfluß von Umwelterfahrungen ihren individuellen Tagesrhythmus entwickelt. Es gibt Morgenmuffel und Abend-Melancholiker, Frühaufsteher und Nachtmenschen. Die Umstellung, zu der jemand gezwungen wird, der abwechselnd in Tages und Nachtschichten arbeiten muß, wirkt oft verstörend. Ähnliches gilt für die Zeitverschiebungen, denen man auf interköntinentalen Flügen ausgesetzt ist. Wenn man einen Menschen in abgeschlossenen Räumen völlig vom natürlichen Tageslauf absperrt und wechselnden künstlichen Einteilungen unterwirft, verliert er das Zeitgefühl bis zu einem Grade, der krank macht. Unser Verhältnis zu den Tageszeiten ist ein Beispiel sowohl dafür, wie weit wir unsere Lebensbedingungen umschaffen können, als auch dafür, wie sehr wir noch immer – und wohl für immer – von der Natur abhängen.
 
     
 
 
 
     
 
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