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Psychologielexikon

Überarbeitete Ausgabe

Psychologielexikon

Drogenwirkungen

Autor
Autor:
Klaus-Dieter Zumbeck

psychische, physische und soziale Wirkungen einer Droge. Anhänger und Konsumenten der einen oder anderen Drogensorte (z.B. Alkohol, Cannabis), neigen dazu, die eigene Droge als "gesünder" und das eigene Konsummuster als "weich" zu bezeichnen und sich dadurch von den anderen Konsumentengruppen abzusetzen. Der Ansatzpunkt ist doppelt falsch: Erstens kann es bei den hier aufgelisteten Drogen allenfalls um die Frage gehen, welche weniger schädlich ist (was eine ganz andere Denkrichtung bezeichnet), zweitens ist gerade die Selbsteinschätzung des Konsums eine der schwierigsten Fragen einer Eigendiagnose. Darüber hinaus ist es zur Beurteilung der allgemeinen oder individuellen Schädlichkeit einer Droge unbedingt erforderlich, alle Ebenen der Wirkungen einer Droge zu berücksichtigen: die psychischen, die physischen und die sozialen (Sucht). Allzuleicht wird von der Lobby der einen oder anderen Prägung dieser Grundsatz vergessen und etwa die psychische Wirkung der einen mit der physischen Wirkung der anderen Droge in Relation gesetzt. Während es keine Droge gibt, die nicht zu einer psychischen Abhängigkeit mit milderem oder strengerem Verlauf führt und die Grundstruktur der psychischen Abhängigkeit meist bereits vor dem ersten Konsum vorhanden ist, sind die entscheidenden Unterschiede zwischen einzelnen Drogenwirkungen auf der physischen und sozialen Ebene zu finden. Wird hier sorgfältig gedacht und argumentiert, kann es gar nicht zu den im Verlauf der immer wieder geführten Debatten um eine Legalisierung einzelner derzeit illegaler Drogen zu beobachtenden Positionen kommen, die eine Droge sei "gut", die andere hingegen "schlecht".

Diese Frage beschäftigt vor allem den Teil der jugendlichen Subkultur, der im Rahmen von Protestbewegungen, im Rahmen auch von Absetzungsbewegungen gegenüber bürgerlichen Konsummustern, nach Alternativen sucht, allerdings die Alternativen lediglich in eben anderen Formen von Konsum findet. Nach kurzen Phasen, in denen darin tatsächlich ein gesellschaftliches Widerspruchspotential liegen mag (in den USA und der BRD Ende der 60er Jahre im Zusammenhang mit der Hippie-Bewegung), passen sich die "alternativen" Konsumenten an die bürgerlich-etablierten Suchtmuster an. Zurück bleibt (bei den überwiegend exotischen illegalen Drogen) die ideologische, kulturelle und materielle Auspowerung von Ländern der Dritten Welt (Anbauländern) durch die ekstatischen Bedürfnisse der Jugend der Metropolen und die Dienstbarmachung der konsumierenden Jugendlichen selbst für eine rasch entstehende Freizeitindustrie, die sich dem "neuen Trend" anpaßt, illegal, halb-legal und legal die Subkultur auskauft. Den ideologischen Hintergrund dieses großen Geschäfts bietet eine Zivilisationskritik, die mit der Möglichkeit spekuliert, daß eine Wiederbelebung alter Rauschkulte und Mysterien zu einem Kampf gegen die Überhandnahme des Rationalismus und der Zerstörung der Lebensbedingungen durch den Intellekt beitragen könne (z.B. Leary, Jünger, Hofmann).

Sicher ist, daß es Drogenkonsum in den meisten Perioden der menschlichen Entwicklung - als rituelle Handlung, als privilegiertes Verhalten, als Massenphänomen, als Instrument der Unterdrückung und als big business - gegeben hat. Jedes Zeitalter aber hat die Form(en) entwickelt, die seinen Rahmenbedingungen entsprachen - und in jedem Zeitalter werden spezifische Muster zur Gestaltung integrierten unproblematischen Konsums und zur Bewältigung desintegrierten problematischen Konsums zu entwickeln sein.


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