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Geschlechterkonstruktion

 
     
   
Thema der Geschlechterforschung mit Konzentration auf den Bereich des sozial konstituierten und konstruierten Geschlechts, des "gender". Es geht darum, die Unterschiedlichkeit der zwei, in unserer Gesellschaft selbstverständlich voneinander differenzierten, Geschlechter herauszuarbeiten und zu einem Wissen über das Geschlechterverhältnis zusammenzufügen, dabei die Hierarchisierung innerhalb des einen Geschlechterverhältnisses und dessen Abbildung in kulturellen Symbolen, Mythen, Sprach- und Handlungsformen zu analysieren. Entscheidend bei diesem differenztheoretischen Ansatz war dabei die Trennung der Kategorie Geschlecht in das scheinbar natürlich gegebene biologische Geschlecht, des "sex", und in das wesentlich umfassendere, sozial konstituierte und konstruierte Geschlecht, des "gender". Derzeit wird heftig in Frage gestellt, ob es überhaupt etwas Natürliches am Geschlecht gibt, oder ob es sich nicht lediglich um ein Konstrukt handele, mit dem die Differenz zwischen den Geschlechtern erst konstituiert werde. Grundlage für eigentlich alle Diskussionsbeiträge ist dabei die Theorie Michel Foucaults, der deutlich gemacht hat, wie unsere Vorstellung von "der Sexualität" etwas ist, was erst im abendländischen Diskurs entsteht.

Nach Judith Butler sind unsere Vorstellungen eines vorgängigen natürlichen Geschlechtes, des "sex", nichts anderesals ein kulturelles Produkt, etwas durch den kulturellen Blick und durch kulturelle Codes Erzeugtes, das uns in die heterosexuelle Ordnung der Reproduktion hineinzwingen solle. Alle Vorstellungen von männlich und weiblich einschließlich der biologischen seien lediglich Konstrukte, die der Absicherung bestehender Machtverhältnisse dienen und andere Orientierungen ausschließen. Obwohl die meisten ForscherInnen darin übereinstimmen, daß es keine Vorstellung eines "natürlichen" Geschlechts geben kann, existiert Uneinigkeit darüber, ob überhaupt von der Annahme eines vorgängigen Geschlechtskörpers, also einer materiellen Basis der kulturellen Produktionen, abgesehen werden muß. Die Selbstverständlichkeit des materiellen Körpers wird in seiner Existenz in Frage gestellt, und unklar bleibt, welche Bedeutung die Erfahrung von Leiblichkeit in diesem Diskurs hat. Sind das Geschlecht und die geschlechtliche Zugehörigkeit etwas, was quasi beliebig entworfen werden kann, und zwar nicht nur als "gender-Inszenierung" oder als "parodistischer performativer Akt" einer Kategorie, die erst dadurch als sozial Erzeugte deutlich wird? All die Formen von Transvestitismus, von Transsexualität, Transgender, aber auch die Spielereien mit der Geschlechtskategorie im Internet gehören in diesen Bereich.

Besonders zwei Fragen sind in diesem Streit zentral: 1)Welche Rolle spielt Generativität heute noch bei der Bestimmung des Geschlechts? Es wundert nicht, daß dieser Diskurs in einer Zeit aufkommt, in dem die Reproduktionsmedizin die Grenzen der Gebärfähigkeit in alle Richtungen zu überschreiten versucht. 2) Welche Bedeutung hat ein Erleben, das nicht mit Rationalität und Sprache zu erfassen ist, sondern das sich ganz wesentlich auf unbewußte, vorbewußte und leibliche Körpererfahrungen bezieht?

Eine radikale Sichtweise auf die Produktion von Geschlechtern öffnet den Blick für die vielfältigen unscheinbaren Zuschreibungen, die auf männliche und weibliche Positionen fixieren. Sie beschneiden die Entwicklungs- und Handlungsmöglichkeiten, weil sie den Blick von vornherein auf die bestehende symbolische Ordnung verengen, selbst da, wo diese angegriffen wird.

Literatur

Foucault, M. (1977). Sexualität und Wahrheit. Bd. 1. Der Wille zum Wissen. Frankfurt/Main.

Maihofer, A. (1995). Geschlecht als Existenzweise. Macht, Moral, Recht und Geschlechterdifferenz. Frankfurt/Main.


 
     
 
 
 
     
 
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