A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
 
 

 

 

 

 

Praxisschock

 
     
   
schmerzhaft empfundener Kontrast des Berufslebens mit dem schulischen bzw. studentischen Leben, den Berufsanfänger häufig erleben. Je unvermittelter die Konfrontation mit dem Berufsalltag, desto größer sind die Anpassungsprobleme. Besonders drastisch zeigt sich der Eintritt in eine totale Organisation, z.B. Bundeswehr, wo eine massive Anpassungsleistung in Gewohnheiten, Kleidung, Haartracht u.a. verlangt wird. Entwurzelung, Verunsicherung und Desorientierung sind Erfahrungen, mit denen Neulinge fertig werden müssen. Probleme, die Berufsanfänger treffen können, sind u.a.:

– Übergang in das Arbeitsleben: In der Zeiteinteilung und der Fixierung auf einen Arbeitsort ist der Berufsanfänger fremdbestimmt.

– Umgang mit anderen Personen: Formelle Beziehungen treten an die Stelle freundschaftlicher Kontakte, Kosten-Nutzen-Überlegungen bestimmen die Art der Interaktionen.

Probleme bei der Einarbeitung: Arbeitsaufgaben sind unzureichend definiert oder haben nicht mit der eigentlichen Tätigkeit zu tun; die Arbeitstätigkeiten sind zu umfangreich, um bewältigt zu werden.

Probleme mit der Qualifikation: Erlernte Fähigkeiten und Kenntnisse dürfen nicht angewendet werden.

Probleme mit der Rollenambiguität: Der Berufsanfänger ist sich nicht darüber im klaren, was von ihm erwartet wird und was er selbst erwarten darf.

Feedback-Defizit: Über erbrachte Arbeitsleistungen erfolgt keine oder keine ausreichende Rückmeldung.

Entfremdung: Durch eine fehlende Identifikationsmöglichkeit mit der Arbeit findet eine innere Distanzierung statt.

Leistungsdruck: Es findet eine ständige Beurteilung von Verhalten statt.

Die Anfangszeit ist ein besonders belastender und den Praxisschock fördernder Zeitraum, denn die Auseinandersetzung mit neuen Aufgaben, mit der persönlichen Rolle und Identität wird durch die Organisation oft erschwert. Dort, wo Unternehmen besonders hohe Anpassungsleistungen verlangen, sind die persönlichen Investitionen sehr groß. Wer viel als Berufsanfänger investieren mußte, dem fällt es anschließend besonders schwer, die Organisation wieder zu verlassen, insbesondere, wenn damit die Aussicht verknüpft ist, daß eine gleiche Investition in einer anderen Organisation wieder geleistet werden muß. Um die Integration in eine Organisation zu bewältigen, findet daher oft ein tiefgreifender Wandel von Einstellungen und Weltbildern statt.

Literatur

Neuberger, O. (1994). Personalentwicklung (2. Aufl.). Stuttgart: Enke.


 
     
 
 
 
     
 
<< vorhergehender Begriff
nächster Begriff >>
Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie
Präzision einer Theorie
 
     
     
 

 

 
     

 

   
  Weitere Begriffe : Lubben Social Network Scales | Nukleus caudatus | zeichnerisches Gestaltungs- u. Ergänzungsverfahren
PSYCHOLOGY48 | ÜBERBLICK | THEMEN | DAS PROJEKT | SUCHE | RECHTLICHE HINWEISE | IMPRESSUM
Copyright © 2017 All rights reserved. Psychologielexikon