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Sexualwissenschaften

 
     
   
auch: Sexuologie, Sexualforschung, umfaßt Bereiche verschiedener Wissenschaftsdisziplinen, die sich mit Aspekten der Sexualität und des Geschlechterverhältnisses beschäftigen. Zu diesen gehören die Medizin, Biologie, Anthropologie, Ethnologie, Philosophie, Psychologie, Pädagogik, Soziologie, Kulturgeschichte und Theologie. Die Sexualwissenschaften, deren Wurzeln bis in die Antike reichen, waren zunächst primär auf die Beschreibung von Sexualpathologie gerichtet und folgerichtig zunächst in der Psychiatrie angesiedelt. Die “Psychopathia sexualis” des Psychiaters R. v. Krafft-Ebing (1894) gilt als grundlegendes Werk dieser sexualwissenschaftlichen Orientierung. Neben dem psychiatrisch-forensischen Schwerpunkt, von dem immer wieder repressive Impulse, insbesondere gegenüber sexuellen Minderheiten ausgingen, entwickelte sich bereits Anfang des 20. Jahrhunderts eine auf Aufklärung und Liberalisierung gerichtete Sexualwissenschaft, die beispielsweise durch M. Hirschfeld, van de Velde oder H. Ellis repräsentiert wurde. Mit den Untersuchungen A. Kinseys, der über umfassende Befragungen versuchte, das Sexualleben der Durchschnittsbevölkerung zu beschreiben und zu klassifizieren, öffneten sich die Sexualwissenschaften sozialwissenschaftlichen Theorien und Methoden, die bis heute – neben der klinischen Ausrichtung – die Sexuologie prägen. In den siebziger Jahren wurden die Sexualwissenschaften in Deutschland und Europa vielerorts institutionalisiert. Diese institutionalisierten Sexualwissenschaften differenzierten sich heute im wesentlichen nach einer eher naturwissenschaftlichen (sexualmedizinischen) und einer eher sozialwissenschaftlichen (kritischen) Orientierung. Die Interdisziplinarität der Wissenschaft bringt es mit sich, daß sexualwissenschaftliche Forschung außerhalb spezialisierter Institutionen gegenwärtig in vielfältigen Wissenschaftsbereichen durchgeführt wird, von denen in den letzten Jahren vor allem die feministische und geschlechterwissenschaftliche Forschung bedeutsame Impulse gesetzt hat.

Literatur

Krafft-Ebing, R.v. (1894). Psychopathia sexualis. Enke, Stuttgart.


 
     
 
 
 
     
 
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