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sexueller Mißbrauch Diagnostik

 
     
   
mit psychologischen Methoden nicht zu stellende Diagnose, birgt die Gefahr einer unzulässigen Vermischung von (vermuteten) Ursachen und beobachtbaren Symptomen. Diagnostiziert werden können lediglich Besonderheiten im kindlichen Erleben und Verhalten, also mögliche Folgen eines (vermuteten) Mißbrauchs. Wie umfangreiche empirische Forschung belegt, ist nicht von einem spezifischen sexuellen Mißbrauchssyndrom auszugehen: Einerseits können Kinder mit nahezu allen bekannten psychopathologischen Störungsbildern auf sexuellen Mißbrauch reagieren, andererseits können Störungsbilder unterschiedliche Ursachen haben. Ein psychologisch fundierter Diagnoseprozeß ist demnach primär darauf ausgerichtet, Verhaltensbesonderheiten festzustellen, psychodiagnostische Zusatzinformationen zu erheben und anschließend im Hinblick auf ein möglicherweise zugrundeliegendes traumatisches Erlebnis integrativ zu interpretieren.

Im forensischen Kontext – und unter der Voraussetzung einer eigenständigen Aussage des Kindes – kann die Aussage des Kindes anhand sog. Glaubwürdigkeitskriterien (Undeutsch-Hypothese) zudem daraufhin untersucht werden, ob sie auf einer subjektiv realen Erlebnisgrundlage basiert (Aussagepsychologie, Glaubhaftigkeit). Im klinisch-psychologischen Kontext steht das breite Methodeninventar der psychologischen Diagnostik (Exploration, Verhaltensbeobachtung, Interaktionsbeobachtung, standardisierte Fragebögen, psychometrische Testverfahren etc.) zur Verfügung, das durch die Erhebung relevanter psychodiagnostischer Zusatzinformationen über die Bezugspersonen (Familienanamnese, Entwicklung des Kindes, Fragebögen zu Verhaltensauffälligkeiten, sexueller Kenntnisstand etc.) zu ergänzen ist. Zentraler Bestandteil der Diagnostik ist die Exploration des Kindes, die möglichst suggestionsfrei erfolgen sollte (suggestive Fragetechniken, Aufdeckungsarbeit). Dabei kann auf Hilfsmittel wie Puppen, Zeichenmaterial etc. zurückgegriffen werden, wobei auch hier auf eine suggestionsfreie Darbietung zu achten ist und keines dieser Hilfsmittel einen eindeutigen und mißbrauchsspezifischen Indikatorwert besitzt. Die psychologischen Untersuchungsergebnisse führen anschließend u.U. zu einer Diagnose in Anwendung der international üblichen Klassifikationssysteme (z.B. DSM-IV oder ICD-10) und sind dahingehend zu interpretieren, mit welcher Wahrscheinlichkeit sie auf ein zugrundeliegendes kindliches Trauma-Erleben durch sexuellen Mißbrauch hinweisen.

Literatur

Amann, G. & Wipplinger, R. (Hrsg.). (1997). Sexueller Mißbrauch. Überblick zu Forschung, Beratung und Therapie. Tübingen: dgvt-Verlag.

Egle, U.T., Hoffmann, S.O., & Joraschky, P. (1999). Sexueller Mißbrauch, Mißhandlung, Vernachlässigung. Stuttgart: Schattauer.


 
     
 
 
 
     
 
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