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Utopie

 
     
   
das Phantasiebild einer zukünftigen (oder irgendwie ganz anderen) Welt. Vor dem englischen Philosophen Thomas Morus, der als erster den Titel »Utopia« wählte (1516), hat schon Plato einen idealen »Staat« entworfen. In solchen Werken wird eine Gesellschaftsordnung vorgestellt, in der die Rechte und Pflichten der Einzelnen, der verschiedenen Gruppen und der Gemeinschaft insgesamt so gegeneinander abgewogen sind, daß allen ausreichend Glück zugeteilt wäre, keiner überfordert wird, alle ihren Anlagen nach zur gemeinschaftlichen Leistung beitragen, und zu Führern jene bestimmt sind, die dazu am besten taugen. Utopien sind Gedankengebäude mit klaren Konturen, die jeweils einer bestimmten Weltanschauung folgen, sodaß einige Werte als maßgebend angesehen, andere vernachlässigt oder sogar ignoriert werden. Sie sind frei von der Vielfalt der Widersprüche im wirklichen Leben und wirken gerade deshalb so anziehend. Sie sind Wunschträume und entstehen vor allem in Zeiten, in denen das Unbehagen an den tatsächlichen Zuständen besonders groß ist. Seit Aldous Huxley (»Schöne neue Welt«, 1932) und George Orwell (»1984«, 1949) überwiegen die negativen Utopien. Sie zeichnen einige auffallende Linien der Gegenwart einseitig in die Zukunft weiter und machen so deutlich, was geschehen könnte, wenn die Menschheit diesen Trends kritiklos folgen würde. Aus den Wunschträumen von einst sind Angstträume geworden. Auch in ihnen fehlt es an Einsicht in die im Grunde unüberschaubare Dynamik des Lebens. Die technischen Utopien der gängigen »Science fiction«-Literatur erfassen nur ganz unzureichend, daß Menschen unter so veränderten Lebensbedingungen natürlich andere Reaktionen, ja ein anderes Seelenleben entwickelt hätten. Man sollte Utopien geradeso betrachten wie andere Phantasien auch, als Ausdruck wichtiger Bedürfnisse, ernster Sorgen und großer Ziele. Schließlich ist auch unsere Vorstellung vom Paradies jenseits des Todes eine Utopie.
 
     
 
 
 
     
 
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