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Gesundheitsverhaltensmodelle

 
     
   
dienen der Analyse und Vorhersage von gesundheitsbezogenem Verhalten. Die meisten Modelle bestimmen dafür die relative Wahrscheinlichkeit einer Verhaltensänderung. Beispielsweise kann ein solches Modell zu der Vorhersage gelangen, daß Personen, die ein hohes Krebsrisiko für sich selbst annehmen, mit einer höheren Wahrscheinlichkeit ihr Verhalten ändern als Personen, die nur ein geringes Risiko wahrnehmen. Bei den aktuellen Modellen kann grob zwischen statischen und dynamischen unterschieden werden. Zu den statischen Modellen zählt das Modell gesundheitlicher Überzeugungen (Health Belief Model), die Theorie der Schutzmotivation (Protection Motivation Theory), die Theorie des geplanten Verhaltens (Theory of Planned Behavior) und die Theorie des subjektiv erwarteten Nutzens (Subjective Expected Utility Theory). Jeder dieser Ansätze geht von der Annahme aus, daß die Antizipation einer gesundheitlichen Beeinträchtigung (Risikowahrnehmung) den motivationalen Ausgangspunkt für die Änderung des bisherigen Gesundheitsverhaltens bildet. Der erwartete Schweregrad der Beeinträchtigung (perceived severity, negative evaluation/utility) und die angenommene Auftretenswahrscheinlichkeit der Beeinträchtigung (perceived vulnerability/susceptibility, expectancy, perceived probability) determinieren die Risikowahrnehmung. Ferner nehmen diese Theorien an, daß die Erwartung, die Beeinträchtigung anhand einer Verhaltensänderung mindern oder verhindern zu können (Handlungswirksamkeit), Menschen dazu motiviert, gesundheitsbezogene Intentionen zu bilden. In einigen Modellen wird darüber hinaus die wahrgenommene Selbstwirksamkeit (perceived self-efficacy) als weitere zentrale Determinante spezifiziert. Die Modelle unterscheiden sich in ihrer Definition der einzelnen Variablen und welche Variablen sie noch darüber hinaus berücksichtigen, der wesentliche Unterschied besteht jedoch in der Art und Weise, wie sie diese zur Vorhersage der Vorsatzbildung verknüpfen. Problematisch an den statischen Modellen ist, daß sie lediglich die motivationale Phase, die in der Vorsatzbildung (Intention) mündet, berücksichtigen. Neuere Modelle nehmen eine prozeß- oder dynamisch orientierte Perspektive ein, die neben der motivationalen auch die volitionale Phase berücksichtigt. Diese umfaßt die Planung und Handlungsinitiative, an die sich später die Handlungsausführung, -aufrechterhaltung sowie die -wiederherstellung nach Rückfällen anschließt. Das sozialkognitive Prozeßmodell gesundheitlichen Handelns, das Transtheoretische Modell (Stages of Change-Model) und das Prozeßmodell präventiven Handelns (Precaution Adoption Process) nehmen dabei an, daß Menschen qualitativ unterschiedliche Stufen durchlaufen, bis sie ihr bisheriges Verhalten erfolgreich geändert haben. Aus diesem Grund spezifizieren sie im Gegensatz zu den statischen Modellen nicht nur eine einzige Vorhersageregel, sondern für jede Stufe eine andere. Die Gesundheitsverhaltensmodelle sind für die Entwicklung praktischer Interventionen unverzichtbar.

Literatur

Schwarzer, R. (1996). Psychologie des Gesundheitsverhaltens (2. Aufl.). Göttingen: Hogrefe.

Weinstein, N. D., Rothman, A. J. & Sutton, S. R. (1998). Stage theories of health behavior: Conceptual and methodological issues. Health-Psychology, 17, 290-299.


 
     
 
 
 
     
 
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