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Komorbidität

 
     
   
ein von Feinstein (1970) in die Psychiatrie und Psychopathologie eingeführter Begriff, der inzwischen - zwar immer noch nicht einheitlich - definiert wird als die Anwesenheit von mehr als einer (psychischen) Störung in einer Person in einem bestimmten zeitlichen Rahmen. In der klinisch-psychologischen Fachliteratur werden folgende Arten von Komorbidität unterschieden: a) Interne Komorbidität: beschreibt das gemeinsame Auftreten von Unterkategorien der gleichen Störungsgruppe. Die soziale und spezifische Phobie beispielsweise gehören als Angststörungen zur gleichen Oberkategorie. Deren gemeinsames Auftreten bei einem Patienten wird als interne Komorbidität bezeichnet. b) Externe Komorbidität: bezeichnet das gemeinsame Auftreten von psychischen Störungen verschiedener Störungskategorien (z.B. der Agoraphobie und Persönlichkeitsstörungen). Epidemiologische Studien zeigen, daß mindestens ein Drittel der Allgemeinbevölkerung die diagnostischen Kriterien für mehr als eine psychische Störung erfüllt. Die Zahlen steigen deutlich an, wenn die untersuchten Stichproben aus behandlungsbedürftigen Menschen zusammengesetzt sind und sind am höchsten bei stationär aufgenommenen Patienten mit psychischen Störungen. In solchen Gruppen ist Komorbidität eher die Regel denn die Ausnahme. Die unterschiedlichen Komorbiditätsraten verschiedener Studien zeigen aber auch, daß das Konzept der Komorbidität nicht einheitlich ist. Folgende Gründe können angeführt werden, um die unterschiedlichen Komorbiditätsraten zu erklären:

a) Konzeptuelle Gründe (kategoriale oder dimensionale Einteilung der psychischen Störungen);

b) Wahl des Zeitfensters (Momentaufnahme vs. Lebensspanne);

c) Wahl des Diagnoseinstruments (strukturiertes klinisches Interview oder Diagnose des Klinikers);

d) Primäres Ziel der Studie (deskriptiv, therapeutisch, methodologisch etc.);

e) Wahl der Analyseeinheiten.

Das Komorbiditätskonzept läßt jedoch auch einen relativ breiten Interpretationsspielraum für Implikationen des gemeinsamen Auftretens von psychischen Störungen. Wie ist es etwa zu interpretieren, daß Angststörungen sehr oft von affektiven Störungen begleitet werden? Es können sowohl gemeinsame kausale Mechanismen, eine gemeinsame Ätiologie oder verschiedene Manifestationen der gleichen Grundstörung angenommen werden. Trotz dieses Mangels bringt dieses Konzept auch Vorteile, z.B. in der Verhaltenstherapie, in deren Zentrum die Verhaltensanalyse steht. Das darin eingebettete Komorbiditätskonzept bietet dem Therapeuten einen breiteren Handlungsraum und eine spezifischere Planung seiner therapeutischen Strategie. Tritt eine psychische Störung gemeinsam mit weiteren Störungen auf, so ist in der Regel der Leidensdruck beim betreffenden Patienten größer und die Prognose einer Behandlung schlechter.

Literatur

Feinstein, A. R. (1970). The pre-therapeutic classification of comorbidity in chronic disease. Journal of Chronic Diseases, 23, S. 455-468.

Wittchen, H.-U. (1996). What ist comorbidity - Fact or artefact? British Journal of Psychiatriy, 168 (suppl. 30), S. 7-8.


 
     
 
 
 
     
 
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