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Medizinsoziologie

 
     
   
Anwendung soziologischer Theorien auf den Bereich der Medizin. Sie befaßt sich mit der Medizin als soziokultureller Institution (das Gesundheitswesen) aber auch mit soziokulturellen Bedingungen von Gesundheit und Krankheit, wie der Einfluß von Moden auf das Eßverhalten (Anorexia nervosa) oder die Beachtung materieller Gesichtspunkte bei der Entstehung von Krankheiten (Armut). Intensiv befaßt hat sich die medizinische Soziologie auch mit der Arzt-Patient-Beziehung im Sinne institutionalisierter Rollenerwartungen (Rolle), v.a. im Kontext des Krankenhauses. So sind die institutionalisierten Erwartungen an den Patienten: Befreiung von normalen sozialen Rollenverpflichtungen mit besonderen Rechten und Pflichten, die Befreiung von Verantwortlichkeit für den momentanen Umgang mit der Krankheit, Verpflichtung zum Willen, wieder zu gesunden und die Verpflichtung, mit dem Arzt zu kooperieren. Auf der anderen Seite stehen die Rollenerwartungen an den Arzt: er steht allen Kranken zur Verfügung, er gilt als Experte, er hat emotional neutral zu sein und er ist kollektiv orientiert. Die Organisation des Krankenhauses beeinflußt die Rolle des Patienten in besonderer Weise. Im Gegensatz zur landläufigen Meinung stehen diese nicht zur im Dienst der Gesundheit des Patienten, sondern viele funktionelle Bereiche des Krankenhauses dienen der Selbsterhaltung dieses Systems. Von dem Patienten wird ein totaler Anpassungsprozeß erwartet, daß er die Patientenrolle annimmt und sich den formellen und informellen Regeln unterwirft. Für die Forschung interessant ist in diesem Bereich auch, welche Arten von Regeln und Organisationsstrukturen (Organisation) auf den Heilungserfolg fördernd einwirken.

Literatur

Borsi, G. (1994). Das Krankenhaus als lernende Organisation. Heidelberg: Asanger.


 
     
 
 
 
     
 
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