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Psychologielexikon

Überarbeitete Ausgabe

Psychologielexikon

Programmevaluation

Autor
Autor:
Werner Eberlein

diejenige Evaluation, die sich nicht auf Leistungen von Personen, sondern auf Programme bezieht. Unter "Programme" sind allgemeine Konzeptionen und Grundsätze sowie konkrete Festlegungen von Reihenfolgen einzelner Arbeitsschritte zur Erreichung spezifischer Ziele zu verstehen. Bei großzügiger Auslegung können auch Personal- oder Produktevaluationen in Programmevaluationen transformiert werden. Im engeren Sinne müssen aber primär das Programm, seine Ziele, seine Konzeption, Rahmenbedingungen, Maßnahmen, Ausgangslage und Effekte theoretisch und empirisch analysiert werden. Personen und ihre Leistung stellen einen Teil des Programmes dar, ebenso die Produkte eines solchen Programmes. Programmevaluationen werden u.a. bei Schulmodellversuchen, sozialen Förderprojekten oder Gesundheitsförderprogrammen durchgeführt. Wie Evaluation im allgemeinen sind auch Programmevaluationen gekennezichnet durch die systematische Analyse und empirische Untersuchung zum Zwecke der Bewertung und Modifikation des zu untersuchenden Gegenstandsbereiches .

Bei der Durchführung von Programmevaluationen sind Nützlichkeits-, Durchführbarkeits-, Korrektheits- und Angemessenheits- sowie Genauigkeits- und Sorgfaltsstandards zu beachten.

Nützlichkeitsstandards: 1) Ermittlung der Beteiligten und Betroffenen zur Berücksichtigung ihrer Interessen; 2) Glaubwürdigkeit und Kompetenz der Evaluatoren; 3) Adäquate/sachdienliche Auswahl von zu erhebenden Informationen; 4) Darlegung von Werten, die zur Beurteilung der Resultate herangezogen werden; 5) Klarer, verständlicher und umfassender Bericht; 6) Rechtzeitigkeit des Berichts und Verteilung an alle relevanten Stellen; 7) Durchführung und Bericht in einer Weise, daß das Vorgehen nachvollziehbar ist.

Durchführbarkeitsstandards: 1) Praktische Verfahren; 2) Politische Tragfähigkeit, Beachtung der Interessen verschiedener Gruppen; 3) Finanzielle Effektivität, günstige Relation von Aufwand und Ertrag.

Korrektheits- und Angemessenheitsstandards: 1) Dienstleistungsorientierung; 2) Schriftliche Festlegung der Vereinbarungen; 3) Beachtung der Rechte und des Wohlbefindens der Beteiligten; 4) Respektvolle Behandlung der Beteiligten; 5) Vollständige und faire Einschätzung zur Unterstützung der formativen Funktion; 6) Offenlegung der Resultate für alle relevanten Beteiligten; 7) Identifikation und Benennung von Interessenkonflikten; 8) Finanzielle Verantwortlichkeit und angemessene Finanzierung.

Genauigkeits- und Sorgfaltsstandards: 1) Beschreibung des zu beurteilenden Programmes; 2) Analyse der Rahmenbedingungen; 3) Beschreibung der Ziele und Verfahren der Evaluation; 4) Beschreibung der Informationsquellen zur Abschätzung ihrer Verläßlichkeit; 5) Valide Meßverfahren; 6) Reliable Meßverfahren; 7) Systematische Kontrolle auf Fehler bei den gesammelten Informationen; 8) Adäquate Analyse quantitativer Informationen; 9) Adäquate Analyse qualitativer Informationen; 10) Ausdrückliche Begründung von Schlußfolgerungen; 11) Unparteiische Berichterstattung; 12) Meta-Evaluation: Überprüfung der Qualität der Evaluationsverfahren.

Literatur

Joint Committee on Standards for Educational Evaluation (1994). The Program Evaluation Standards. Thousand Oaks: Sage.

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