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zirkuläres Fragen

 
     
   
eine Technik, die zum Standardrepertoire der systemischen Therapie gehört; dient weniger der Erhebung als eher der Erzeugung von Information. Klienten werden in die Position eines Beobachters versetzt, es werden immer wieder neue Perspektiven eingeführt, die einen reflexiven Prozeß einleiten. Verhaltensweisen, Symptome, auch unterschiedliche Formen von Gefühlsausdruck werden dabei in ihrer kommunikativen Funktion gesehen. Statt eine Person z.B. nach ihren eigenen Empfindungen zu befragen, wird nach der Wirkung eines mitgeteilten Gefühls auf andere Personen gefragt. Statt nach Symptomen zu fragen, wird der Akzent darauf gelegt, wie jedes Familienmitglied diese beschreibt, welche Erwartungen und Beobachtungen damit verbunden sind und wie darauf reagiert wird.

Entsprechend dem zirkulären Verständnis systemischer Therapie wird dabei nach Mustern gefragt und nicht nach Ursachen: Ein Symptom ist kein “Ding”, sondern ein Prozeß, an dem, besonders im Bereich sog. psychischer Krankheit, Handlungen verschiedener Personen beteiligt sind: Was tut Ihr Mann, wenn Ihr Sohn das tut, was Sie verhaltensgestört nennen? – Wie reagiert der darauf? – Was macht Ihr Sohn anders, wenn Sie ihn für gesund halten? Krankheit wird so entdinglicht, “verflüssigt” und in Beziehungskontexte gestellt: Für wen ist das Symptom am meisten ein Problem? – Wer ist darüber am zweitstärksten beunruhigt? – Wer merkt in der Familie zuerst, wenn es auftritt?

Es lassen sich verschiedene Klassen von Fragen unterscheiden, z.B. die eben beschriebenen Fragen zur Problemdefinition; Fragen nach problematischen Verhaltensmustern (Wenn X das tut, was Y so aufregt, wie verhält sich dann Z? – Wenn Z das Problemverhalten aktiv herbeiführen wollte, was müßte er tun?); Fragen nach dem Vergleich (z.B. vor und nach bedeutsamen Ereignissen); Fragen nach Ausnahmen (Wann tritt ein beklagtes Verhalten nicht auf?) oder sog. triadische Fragen: Eine Person wird in Gegenwart der anderen zur anderen befragt (Was vermuten Sie, was Ihre Frau darüber denkt?). Eine besondere Klasse stellen hypothetische Fragen dar. Mit ihnen kann spielerisch eine “Als-Ob-Realität” entworfen werden, ohne eine Deutung oder Richtung aufzuzwingen: Angenommen Ihre Entscheidung, nicht zu essen, wäre ein Protest, wogegen könnte er sich richten? Hypothetischen Charakter haben auch sog. Zukunftsfragen: (Gesetzt den Fall, Ihr Sohn entscheidet sich, auszuziehen, wie würden Sie Ihr Leben gestalten?) oder Lösungsfragen (Wenn ein Wunder geschehen würde, und das, was Sie heute als Problem erleben, wäre verschwunden...).

Literatur

Simon, F.B. & Rech-Simon, Ch. (1999). Zirkuläres Fragen. Systemische Therapie in Fallbeispielen. Ein Lernbuch. Heidelberg: Carl Auer


 
     
 
 
 
     
 
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