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ekklesiogene Neurosen

 
     
   
wurden ursprünglich als "durch kirchlichen Dogmatismus verursachte Neurosen" erklärt. Beispiele: Zwänge, sexuelle Störungen und Homosexualität - sofern sie im kirchlichen Umfeld beobachtet wurden. Nach neueren Definitionen handelt es sich um Störungen der Erlebnisverarbeitung, die durch enge, gesetzliche, pseudochristliche Erziehung im Umfeld christlicher Gemeinden entstehen, während "echte" Frömmigkeit Neurosen vorbeuge. Zweifellos fördern manche Traditionen, Gruppendruck und Gehorsamszwänge Angst und Schuldgefühle, während gleichzeitig intensive Gefühlserfahrungen behindert werden. Ekklesiogene Neurosen entstehen auch aus mißglückten Bewältigungsversuchen, Widersprüche zwischen mancher Praxis kirchlicher Institutionen und christlicher Botschaft bzw. zwischen sozialer Stellung und Glaubensforderung zu verarbeiten. Die Theorie der pragmatischen Paradoxie fußt auf dem Befund, daß neurotisches Erleben und Verhalten durch widersprüchliche Situationen ausgelöst werden kann: Man soll etwas leisten, wofür man gutes Geld verdient, und gleichzeitig nichts besitzen. Wer dieser theologischen Double-bind-Situation (double-bind-Hypothese) längere Zeit ohne Möglichkeit zur Meta-Analyse ausgesetzt sei, entwickle eine neurotische Störung. Es gibt Belege für das gehäufte Vorkommen psychopathologischer Symptome unter kirchlichen Amtsträgern und unter Mitgliedern strenger Glaubensgemeinschaften und ebenso dafür, daß solche Gemeinschaften eine anziehende Wirkung auf bestimmte neurotisch disponierte Menschen haben.

Aus heutiger Sicht kann Religiosität ein besonderes Element im Bewältigungsprozeß sein: als religiös beeinflußte Perzeption, als religiöse Ressource, spezielle religiöse Coping-Aktivität und als religiöse Zielsetzung. Religionsbezogenes Coping kann sehr aktiv, stabilisierend und unterstützend sein und hat sich im Vergleich zu nicht-religiösem Coping besonders in Lebenskrisen bewährt.

Literatur

Schaetzing, E. (1955). Die ekklesiogenen Neurosen. Wege zum Menschen. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.

Thomas, K. (1989). Sexualstörungen infolge "ekklesiogener Neurosen". Sonderheft: Sexualmedizin. Wiesbaden: Medical tribune Verlagsgesellschaft mbH.


 
     
 
 
 
     
 
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