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Homosexualität

 
     
   
die Liebesneigung zum eigenen Geschlecht. Sie ist ebenso wie die Heterosexualität ein Teil unserer natürlichen bisexuellen Anlage. Das kleine Kind macht noch keinen scharfen Unterschied der Geschlechter. Bis in die Adoleszenz hinein bleibt bei Knaben wie bei Mädchen eine gewisse Unsicherheit der geschlechtlichen Identität bestehen. Zwischen dem Beginn der Pubertät und dem Abschluß der Adoleszenz äußern sich gleichgeschlechtliche Neigungen noch recht offen, so in schwärmerischen Freundschaften zu Gleichaltrigen oder in der liebevollen Bindung eines Jünglings an einen »Meister« und entsprechend der eines halbwüchsigen Mädchens an eine »Lehrerin«. Zu diesen Bindungen trägt die Unsicherheit bei, die dem anderen Geschlecht gegenüber besteht. In diesem Lebensabschnitt verhelfen die mann-männlichen Bindungen dazu, die eigene Männlichkeit zu entwickeln. Oft werden sie in Männerbünden organisiert, in denen auch die dem Manne zugeordnete Aggressivität Ausdruck findet. Es gehört zur Geschlechtsrolle, die hier eingeübt werden soll, daß Jünglinge ihre Gefühle füreinander kaum in Zärtlichkeiten zugeben dürfen, während in den gleichgeschlechtlichen Beziehungen der Mädchen die »Sentimentalität«, die für weiblich gilt, eher gefördert wird. Überhaupt gibt es eine viel stärkere Abwehr gegen Ausdruckformen der Homosexualität beim Manne. Das hängt mit der Auffassung zusammen, daß er seine Sexualität nur in den Dienst der Fortpflanzung stellen dürfe. In der Antike dachte man anders darüber; erst seit dem Siegeszug des Christentums hat die Moral die Sexualität an die Fortpflanzung und die Ehe binden wollen und jede andere geschlechtliche Betätigung als Unzucht verdammt. Die alten Griechen sahen in der liebevollen Bindung zwischen Männern, vor allem zwischen einem reifen Mann und einem heranwachsenden Jüngling, eine besonders hohe Form der Liebe, weil sie mit geistiger Freundschaft gepaart war und eine erzieherische Funktion hatte. Seit der Zeitwende und bis heute werden im abendländischen Kulturraum die homosexuellen Tendenzen von der Erziehung unterdrückt. Damit verschwinden sie nicht. Aus der Verdrängung äußern sie sich in unkenntlichen Formen, so in Symptomen der Neurose oder in sexuellen Abweichungen, deren Objekt noch das andere Geschlecht zu sein scheint. Oft wird die eigene homosexuelle Anlage überdeckt durch eine panische Furcht vor Homosexualität und durch eine wütende Verfolgung all derer, die sie offen zugeben. Können die homosexuellen Tendenzen in Freundschaft sublimiert werden, erhalten sie einen hohen sozialen Wert. In Notsituationen, so vor allem in Gefangenschaft, zeigt sich oft, daß die homosexuelle Befriedigung relativ leicht an die Stelle der heterosexuellen treten kann. Auch gibt es Männer und Frauen, die ständig zwischen Heterosexualität und Homosexualität wechseln. Die ausschließliche Zuneigung zum eigenen Geschlecht jedoch ist zugleich als Abwehr des anderen Geschlechts zu verstehen. Dann sind die heterosexuellen Anlagen verdrängt, bis zur Unkenntlichkeit verwandelt oder zu zwischengeschlechtlichen Freundschaften ohne sinnlichen Ausdruck sublimiert. Nahezu alle homosexuellen Männer hatten eine sehr starke Beziehung zur Mutter und ein gespanntes Verhältnis zum Vater. Man hat dann den Eindruck, daß es die Bindung an die Mutter unmöglich gemacht hat, eine andere Frau an ihre Stelle zu setzen. Aber der tiefste Grund der Abkehr vom Weibe liegt im Kastrationskomplex. Die kindliche Entdeckung, daß die Frau keinen Penis besitzt, wirkt wie eine Bestätigung der (wirklichen oder vermeintlichen) Drohung mit der Kastration als Strafe für verbotene kindliche Sexualakte (z. B. Selbstbefriedigung). Von da an kann die »kastrierte« Frau als Mahnung an die Kastrationsgefahr wirken, und eben deshalb wird sie gemieden. In der Beziehung zu einem Jüngling sucht der homosexuelle Mann einen Penisbesitzer, der doch auch weibliche Züge hat. Zugleich hilft ein Mann als Partner, die eigene Männlichkeit zu bestärken. Deshalb sind keineswegs alle Bezie hungen zwischen homosexuellen Männern durch eine Rollenverteilung nach dem Muster des Verhältnisses zwischen Mann und Frau gekennzeichnet. Oft wird die Liebe von einer Art Rivalität, einem männlichen Wettbewerb begleitet. Darin kann sich dann auch eine männliche Aggression ausdrücken. In Ausnahmefällen geht die ausschließliche Homosexualität eines Mannes auf eine starke Vaterbindung zurück. Dann liegt in ihrem Hintergrund die Idee, daß man dem Vater oder einem Manne nach seinem Vorbild das Weib ersetzen müßte, was nur möglich erscheint, wenn man sich zur Kastration bereitfinden würde. Meist wird die Verweiblichung nur gespielt, so bei Transvestiten, die die weibliche Geschlechtsrolle in Kleidung und Gebaren annehmen. Manchmal wird sie künstlich verwirklicht, so bei den Transsexuellen, die durch eine Operation die äußeren Geschlechtsmerkmale des Mannes entfernen und eine Nachbildung der äußeren weiblichen Geschlechtsmerkmale anfertigen lassen. Bei der ausschließlichen weiblichen Homosexualität steht als Motiv im Vordergrund die Ablehnung der Rolle, die dem Weibe in der Sexualität teils von der Natur, teils von der Tradition, zugeteilt ist. Hier steht die Angst vor dem Manne, vor seiner Aggression und Durchdringung, neben der Abwehr gegen die weibliche Passivität und Unterlegenheit. Entscheidend ist oft der sogenannte Penisneid, die Enttäuschung also, kein Mann geworden zu sein. Dann wird in homosexuellen Beziehungen eine Rolle als »Mann« gesucht. Homosexuelle Frauen, die ihre Weiblichkeit betonen, suchen in ihren Beziehungen ein Verständnis, wie sie es vom Manne nicht erwarten, und die gefühlsbetonte Zärtlichkeit statt der gefürchteten männlichen Aggressivität. Dennoch folgen auch lesbische Paare durchaus nicht immer einem Muster wie zwischen Mann und Frau; sie spielen miteinander gerade so oft »Mutter und Kind« und wiederholen so die erste (gleichgeschlechtliche) Liebesbeziehung. Daß die ausschließliche Homosexualität eine Abwehr darstellt, wird in ihrer häufigen Vergeistigung deutlich. Viele Männer und manche Frauen, deren Neigung hauptsächlich dem eigenen Geschlecht galt, haben ihrer »Homophilie« nie offen sexuellen Ausdruck verliehen; ihre Homosexualität blieb rein »ideell«. Ganz unverhältnismäßig oft haben homosexuelle Männer und Frauen große kulturelle Leistungen vollbracht. An der wissenschaftlichen Literatur über die Homosexualität haben einen großen Anteil die Autoren, die selbst homosexuell waren. Die meisten von ihnen vertreten die Auffassung, daß die Homosexualität angeboren sei. Sie betrachten die Homosexuellen (und dazu die Transvestiten und Transsexuellen) als »drittes Geschlecht« (Zwischenstufe). Im Gegensatz dazu sehen die Vertreter des Behaviorismus in der Homosexualität ein erworbenes Verhalten, das durch eine Einübung heterosexuellen Verhaltens überwunden werden könnte. Die Psychoanalyse sagt, daß die Homosexualität zwar angeboren ist, aber bei allen Menschen ohne Ausnahme, und daß es von der Entwicklung bis zum Abschluß der Pubertät abhängt, ob sie verdrängt, sublimiert, neben der Heterosexualität offen ausgedrückt wird oder die Neigung zum anderen Geschlecht völlig überwuchert. Horde, eine Gruppe ohne feste Organisation, ohne klare Führung, oft auch ohne bestimmtes Ziel. Horden bilden sich manchmal spontan, ohne daß sich ihre Mitglieder vorher schon kannten, und fallen nach einer gemeinsamen Aktivität auch wieder auseinander. Sie stellen eine primitive Form der Massenbildung dar. Typische Horden sind Gruppen Jugendlicher, die in einem plötzlichen Aufbegehren Autos umstürzen, Telefonzellen zerstören, Schaufenster einwerfen oder Passanten angreifen. Hordenhaft ist aber auch die Zusammenrottung von Leuten, die ihren Haß auf eine Minderheit auslassen oder sich das Recht einer Lynchjustiz anmaßen. Aus der Disziplin des Militärs brechen im Krieg manchmal Plünderer und »Marodeure« in Horden aus.Im Verhalten erkennbare, bis zu gegenseitiger sexueller Reizung und Befriedigung gesteigerte gleichgeschlechtliche Beziehung. Bei den meisten Menschen sind in irgendeiner Form (Phantasien, Träume, Verhalten in der Kindheit) Neigungen zur Bisexualität nachzuweisen. Verdrängung von homosexuellen Neigungen spielt in der Entstehung von Neurosen eine sehr wichtige Rolle. Die Ursachen der Homosexualität sind noch nicht voll geklärt. Wie überall, ist auch hier keine eindeutige Entscheidung einer Frage nach dem Erbe/ Umwelt-Problem sinnvoll. Wahrscheinlich wirken eine vorgegebene Veranlagung zur Bisexualität, die stärker als im Regelfall ausgeprägt ist, Einflüsse der frühkindlichen Umwelt, Vorbilder im Jugendalter, Verführung und kulturelle Bewertung homosexuellen Verhaltens zusammen. In der Vorgeschichte von homosexuellen Männern (umgangssprachlich «Schwule») läßt sich häufig eine Familie nachweisen, in der ein schwacher, zurückgezogener Vater und eine starke Mutter, welche das Geschehen in der Erziehung und im Familienalltag beherrscht, dem Kind keine sinnvollen männlichen Identifizierungen anboten. Fellatio, Analverkehr, Perversion
 
     
 
 
 
     
 
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