A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
 
 

 

 

 

 

Passivität

 
     
   
die Erfahrung ohne eigenes Zutun. Doch was um uns her und mit uns geschieht, prägt uns vielleicht stärker als unsere Aktivität. Die äußeren Bedingungen müssen wir als das Feld erkennen, in dem wir uns zu bewegen und zu bewähren haben. Die äußeren Anforderungen zwingen uns zu Reaktionen, sei es, daß wir uns ihnen anpassen, sei es, daß wir uns bemühen, sie zu verändern. Die passiven Erfahrungen vor allem mit den nächsten Menschen, die auf das Kind einwirken, werden zum großen Teil verinnerlicht, leiten dann als Vorbild oder Imago das eigene Verhalten und Empfinden, bilden als Über-Ich schließlich einen Bereich unseres eigenen Wesens. Vieles, was wir als fremd passiv zu erfahren meinen, stammt in Wahrheit aus einer tieferen, unbewußten Schicht unserer Seele. Unsere heftigsten Gefühlsbewegungen empfinden wir als »Leiden«, als »Leidenschaft« oder »Passion«. Der einzig auf eigene Aktionen ausgerichtete Mensch wird irgendwann einmal unter dem Eindruck stehen, daß er an Wesentlichem vorbeirennt. In einer willentlich passiven Einstellung lassen sich Tiefenerfahrungen machen, die anders nie zugänglich wären: so im Schlaf mit dem Traum, so auch in Formen der Meditation. Immer wieder muß man erkennen, daß sich nicht alles erzwingen läßt, daß man manchmal passiv warten muß, »bis die Zeit reif ist«. Die psychischen Nöte unserer Gegenwart dürften zum großen Teil darauf zu rückgehen, daß wir die Bedeutung der Aktivität überschätzen und das Recht zur Passivität mißachten. Wie die Aktivität vor allem dem Manne zugeordnet zu sein scheint, so scheint die Passivität stärker die Frau zu kennzeichnen. Das liegt sowohl in der natürlichen Beschaffenheit der Geschlechter als auch in den traditionellen Geschlechtsrollen begründet. Dieser Unterschied ist weder so scharf, wie er manchmal erscheint, noch bestimmt er eines der Geschlechter durchgehend. Im Durchschnitt aber ist die Frau tatsächlich prägsamer, und der Mann stärker auf aktive Veränderung eingestellt.
 
     
 
 
 
     
 
<< vorhergehender Begriff
nächster Begriff >>
passive Suggestion
Passivrauchen
 
     
     
 

 

 
     

 

   
  Weitere Begriffe : Ereignisvariablen | Zeitschrift für Experimentelle Psychologie | Prüfungsversagen
PSYCHOLOGY48 | ÜBERBLICK | THEMEN | DAS PROJEKT | SUCHE | RECHTLICHE HINWEISE | IMPRESSUM
Copyright © 2017 All rights reserved. Psychologielexikon