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Lärmbewertung

 
     
   
subjektive Bewertung von Schall mit Methoden der Psychophysik. Im Mittelpunkt des Interesses steht dabei meist die "Belästigung" (annoyance) durch Geräusche. Wie lästig (unangenehm, störend) ein Schallereignis empfunden wird, hängt von einer Reihe von akustischen, situativen und persongebundenen Faktoren ab. Die Lästigkeit von Geräuschen läßt sich auf eine Anzahl elementarer Empfindungsgrößen wie z.B. deren Lautheit, Rauhigkeit, Schärfe oder Tonhaltigkeit zurückführen, die ihrerseits von physikalischen Eigenschaften des Schalls abhängen wie (in entsprechender Reihenfolge) dem Pegel, der zeitlichen Struktur, der Frequenzzusammensetzung und der Prominenz schmalbandiger Komponenten im Spektrum. Die für den Lärmschutz maßgeblichen Meßverfahren tragen diesen komplexen Zusammenhängen nur in Einzelaspekten Rechnung: So berücksichtigt der A-bewertete Schallpegel [dB(A)] zwar die relative Unempfindlichkeit des Gehörs für sehr hohe und sehr tiefe Frequenzen, vernachlässigt aber die Tatsache, daß diese Frequenzabhängigkeit gerade bei hohen Pegeln abnimmt, was zu einer Unterschätzung der effektiven Lärmdosis führen kann. Auch der äquivalente Dauerschallpegel [Leq] stellt nur eine erste Annäherung zur Bestimmung der Wirkung zeitlich fluktuierender Schalle dar und versagt insbesondere dort, wo wenige, sehr intensive Schallereignisse mit längeren Perioden relativer Ruhe gemittelt werden. Erst in neuerer Zeit setzen sich Bestrebungen zu einer gehöradäquaten Lärmmessung durch, deren Ziel es ist, den gesamten psychoakustischen Wissensstand zu berücksichtigen und in objektive Meßverfahren zu integrieren. Die Berechnung der Lautheit statt des A-bewerteten Schallpegels stellt einen ersten Schritt in diese Richtung dar. Versuche, die Lästigkeit von Geräuschquellen wie etwa Verkehrslärm in Dosis-Wirkungs-Funktionen vorherzusagen, sind jedoch deshalb mit großer Unsicherheit behaftet, weil individuelle Moderatorvariablen den Grad der Lärmbelästigung beeinflussen. Der stärkste Prädiktor neben dem Schallpegel ist dabei die individuelle Lärmempfindlichkeit. Dabei handelt es sich um eine durch Fragebögen erhobene, stabile Persönlichkeitseigenschaft, die die generelle Empfindlichkeit gegenüber einer Vielzahl von Lärmquellen in verschiedenen Kontexten erfaßt. Aber auch spezielle Einstellungen gegenüber der Geräuschquelle können die empfundene Lästigkeit beeinflussen; so wird (als unvermeidlich angesehener) Straßenverkehrslärm in Befragungen bei gleichem Pegel als weniger belastend eingeschätzt als etwa Fluglärm. Auch situative Bedingungen spielen bei der Bewertung von Schallereignissen eine Rolle. Entscheidend ist, ob das zu bewertende Geräusch mit einer Tätigkeit (Schlaf, Arbeit) interferiert, und ob der Organismus ihm ausgeliefert ist, oder es als kontrollierbar erlebt. Gehöradäquate Schallanalyse, verbunden mit der Erfassung relevanter Moderatorvariablen und dem Gebrauch differenzierter psychophysischer Meßverfahren, kann die Varianzaufklärung in Untersuchungen zur Bewertung von Umweltlärm deutlich verbessern. Zwischen der subjektiven Bewertung von Schall und objektiv meßbaren Lärmwirkungen (z.B. auf Gesundheit oder kognitive Leistungen) gibt es jedoch - entgegen der Intuition - nur schwache Zusammenhänge.

Literatur

Hellbrück, J. & Ellermeier, W. (2000). Hören (2. Aufl.). Göttingen: Hogrefe.


 
     
 
 
 
     
 
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