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Okulomotorik

 
     
   
umfaßt die Drehung des Auges um die vertikale, horizontale und sagittale Achse. Neben der gleichgerichteten (konjugierten) Bewegung beider Augen und den gegenläufigen Vergenzbewegungen (Konvergenz in der Nähe und Divergenz bei Fernsicht) sind zu nennen: Sakkaden als sprunghafte Blickwechsel, glatte Folgebewegungen beim Verfolgen eines Objektes und vestibulär bedingte Bewegungen zur Fixierung eines Bezugspunktes bei Kopfbewegungen bzw. Lageänderung. Außerdem gibt es auffällige bzw. pathologische Formen wie das Augenzittern (Nystagmus). Die Okulomotorik wird über drei Hirnnerven von Zentren des Hirnstamms, die ihrerseits höheren, kortikalen und subkortikalen Einflüssen unterliegen, gesteuert. Die Augenbewegungen werden als Okulogramm (EOG) erfaßt, wobei es sich um eine elektrophysiologische Registrierung durch Ableitung des Elektromyogramms von den beteiligten Augenmuskeln oder um eine fotoelektrische oder fotografische Registrierung (Infrarot-Video) handeln kann. Bei genauer Kalibrierung ist eine gute Auflösung (Winkelgrad) möglich.

In psychophysiologischer Hinsicht interessieren die verschiedenen Aspekte der Okulomotorik, weil sie einen objektiven Zugang zu Prozessen der Informationsverarbeitung geben und Rückschlüsse auf die Dauer von einzelnen Komponenten ermöglichen. In Verbindung mit der Messung evozierter Potentiale ist hier ein für die Kognitive Psychophysiologie wichtiger Forschungsansatz entwickelt worden. Neuropsychologische Fragestellungen (Neuropsychologie) richten sich u.a. auf die Abhängigkeit bestimmter Merkmale bzw. Störungen der Augenbewegungen vom Alter, von bestimmten Läsionen oder neuropsychiatrischen Erkrankungen. Ein wichtiges Thema der Forschung ist die Störung der langsamen Augenfolgebewegungen (smooth pursuit eye movement, SPEM), die mit Erkrankungen des schizophrenen Formenkreises in Zusammenhang gebracht wird. Indirekt ist die Okulomotorik von methodischer Bedeutung für die Auswertung der Elektroenzephalographie bzw. der evozierten Potentiale, da Okulmomotorik und Lidschlag zu großen Signalamplituden führen und deshalb genau kontrolliert werden müssen, um Artefakte zu vermeiden.

Literatur

Schandry, R. (1988). Lehrbuch der Psychophysiologie (2. Aufl.). Weinheim: Psychologie Verlags Union.

Hirsch, S.R. & Weinberger, D.R. (Eds.). (1994). Schizophrenia. London: Blackwood Press.


 
     
 
 
 
     
 
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