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Suchttherapie

 
     
   
arbeitet seit den Entwicklungen in den 40er Jahren (v.a. durch in den USA tätige engagierte Therapeuten und durch den Einfluß von Selbsthilfegruppen) mit guten Erfolgen: Katamnesen ergeben regelmäßig Werte von etwa einem Drittel der Betreuten mit abstinenter und einem weiteren Drittel mit verbesserter Lebensführung. Auch für die speziellen Bedürfnisse der Abhängigen von illegalen Drogen hat sich seit den 70er Jahren ein hoch-professionelles und wirksames Angebot entwickelt. Grundlagen der Suchttherapie sind eine Reihe von Erfahrungsbeständen im Umgang mit Suchtstoffen und mit Süchtigen:

– Nur wenige Menschen können dauerhaft souverän mit Suchtstoffen umgehen.

– Viele Menschen brauchen Hilfe, weil sie nicht mit ihrem Konsum zurechtkommen.

– Wer über das Stadium des Probierens von Suchtstoffen hinausgeht und das Maß verliert, signalisiert damit psychische oder soziale Probleme.

– Spontaner Ausstieg aus der Sucht ist keine Seltenheit, nicht jeder Mensch braucht Therapie und Therapeuten.

– Da Drogenkonsum oft Ersatz (Substitution) für die Befriedigung legitimer Bedürfnisse ist, muß Therapie den "besseren Ersatz", also bessere Wirklichkeit, bieten.

– Für diejenigen, die objektiv betreuungsbedürftig, aber nicht für eine Therapie motiviert sind, bedarf es einer langfristigen Begleitung und einer Verminderung der Risiken, die sich in einer Sucht-Karriere einstellen.

Bei der Behandlung Suchtkranker geht man davon aus, daß es sich in erster Linie nicht um ein körperliches, sondern um ein seelisches und soziales Problem handelt. Die Hilfen für Süchtige sind deshalb überwiegend als sogenannte psycho-soziale Angebote entwickelt, als Antworten auf die psychischen und sozialen Probleme der Abhängigen (kommunikative Angebote, Hilfen zur Wertorientierung, Wohnmöglichkeiten, berufliche Bildung, gesellschaftliche Reintegration usw.). Die medizinischen, psychologischen und sozialen Dienste arbeiten kooperativ, aber arbeitsteilig: In der Motivationsphase vor einem Entzug sind vor allem soziale Angebote (Beratung, Sozialarbeit), in der Anfangsphase der Therapie vor allem medizinische Hilfen (klinischer Entzug), im weiteren Therapieverlauf vor allem sozial- und psychotherapeutische Einrichtungen (therapeutische Gemeinschaften, Abstinenz-Gruppen, Nachsorge) erforderlich.

In allen Bereichen der Suchtkrankenhilfe erfolgt staatliche Förderung oder eine Finanzierung durch die Kranken- und Rentenversicherungsträger. Die Einrichtungen werden aber in ihrer übergroßen Mehrheit von freien Trägern unterhalten. Das gilt vor allem für Suchtberatungsstellen, Fachkliniken und außerklinische Therapeutische Gemeinschaften. Die staatlichen Einrichtungen (Gesundheitsämter, Krankenhäuser) arbeiten mit den Freien Trägern zusammen und haben in manchen Regionen eigene Hilfsangebote entwickelt.Die Betreuung im ambulanten Bereich (Suchtberatung, Selbsthilfe-Gruppen, Nachsorge) erfolgt kostenlos; für die stationäre Behandlung (Klinik, Fachklinik, außerklinische Therapeutische Gemeinschaft, Übergangsheim, Betreutes Wohnen) besteht grundsätzlich ein Leistungsanspruch gegen die Kranken-/Rentenversicherung oder gegen das Sozialamt.

Die Suchtkrankenhilfe ist nicht zentralisiert, sondern regionalisiert und entsprecht damit weithin dem Anspruch gemeindenaher Versorgung. Die Hilfsmaßnahmen sind in der Regel als sogenannte "Therapie-Ketten" oder "Verbundsysteme" entwickelt, die aus aufeinander abgestimmten Hilfen wie, Kontaktangebote, Beratung, Entzug, Entwöhnung, Nachsorge usw. bestehen.

Ein Verbundsystem kann gar nicht vollständig genug sein, weil in der Praxis immer wieder Lücken im Angebot festgestellt werden, wenn ein Betroffener durch das Netz fällt. Es kommt also weiterhin darauf an, dieses Netz engmaschiger zu knüpfen, ohne daß dies der Versorgungshaltung des Süchtigen zu weit entgegenkommt (Sucht, Suchtprävention, Drogenkonsumenten-Typologie).

Literatur

Fleisch/Haller/Heckmann (1997) (Hrsg.). Suchtkrankenhilfe. Lehrbuch zur Vorbeugung, Beratung und Therapie, Weinheim/Basel.

Heckmann, W. (1991) (Hrsg.). Drogentherapie in der Praxis. Weinheim/Basel

Steffan, W. (1989) (Hrsg.): Straßensozialarbeit. Weinheim/Basel.


 
     
 
 
 
     
 
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