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charismatische Führung

 
     
   
charismatische Führung, läßt sich, an ihren Wirkungen orientiert, allgemein als "ungewöhnlich erfolgreiche Führung" definieren. Dieser ungewöhnliche Erfolg der Führung wird in der Regel getragen von einer gemeinsamen Vision, die die Führungsperson verkörpert und vermittelt und der sich die Geführten verpflichtet fühlen. Die Verpflichtung schließt die Bereitschaft zu persönlichen Opfern und zum Zurückstellen eigener Interessen zugunsten der gemeinsam geteilten Vision ein (was in möglicherweise größerem Ausmaß auch für die Führer gilt und in engem Zusammenhang mit deren Glaubwürdigkeit steht). Die Vision wurzelt in den Werten und Überzeugungen von Führenden und Geführten und weist die Richtung in eine besonders erstrebenswerte Zukunft. Im Gegensatz zu formaler Führung, die sich größtenteils der hierarchischen Standortmacht des Führenden bedient, entsteht charismatische Führung durch die Person des Führers und ihre Wirkung auf die von ihm Geführten. Charismatische Führung ist ein Phänomen, das sich aus der Interaktion von Führern und Geführten ergibt.

Die wissenschaftliche Beschäftigung mit charismatischer Führung reicht zurück bis zu Max Weber, der die Wirkung charismatischer Führer auf soziale Probleme, gesellschaftlichen und organisationalen Wandel analysiert hat. Verschiedene Studien haben versucht, Merkmale der charismatischen Führer herauszuarbeiten. Dabei wurde vor allem deren Ausdauer einer herausfordernden Aufgabe gegenüber, ihre Fähigkeit, wichtige Motive bei ihren Anhängern wachzurufen (z.B. Leistungsmotiv), ihre hohe Bereitschaft zur Risikoübernahme, ihr Vertrauen und ihr Interesse an den Geführten betont. Die beziehungsstiftenden Fähigkeiten charismatischer Führer scheinen besonders hoch ausgeprägt zu sein. Diese Merkmale der charismatischen Führer wirken auf Werte, Motive und Selbstverständnis der Geführten.

Für die verstärkte Beachtung von Persönlichkeitseigenschaften als Determinanten der Führung spricht auch die Reaktivierung der Forschung zur charismatischen Führung in jüngerer Zeit. Allerdings sollte hier bedacht werden, daß derartige Ansätze keineswegs als Rückfall in die simplen monokausalen Erklärungsansätze der klassischen personalistischen Führungstheorie darstellen. Sie rückten zwar die Persönlichkeit des Führenden in das Zentrum ihrer Betrachtung, sehen aber das Charisma nicht als ein überdauerndes und situationsunabhängiges Merkmal wie z.B. die Intelligenz, sondern als ein Konstrukt, das sich in ganz bestimmten Situationen (z.B. einer Krise) in ein bestimmtes Verhalten der Führenden übersetzt (z.B. sinngebend), um dann bei (z.B. hilflosen) Geführten über den Prozeß der Identifikation mit dem Führenden zum Effekt der gesteigerten Motivation bei der Arbeit zu führen.
 
     
 
 
 
     
 
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