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Jaspers

 
     
 
Karl, 1883-1969, deutscher Psychiater und Philosoph. Nach juristischem Studium (1901-1902) studierte er Medizin in Berlin, Göttingen und Heidelberg (1902-1908), promovierte dort über Heimweh und Verbrechen (1909), arbeitete seit 1908 als Medizinalassistent unter F. Nissl an der Psychiatrischen Universitätsklinik, wo er pro forma mit der Leitung des verwaisten, von E. Kraepelin aufgebauten experimentalpsychologischen Laboratoriums betraut wurde, allerdings ohne daß es zu publizierten Untersuchungen kam. Jaspers gewann Zugang zu dem Kreis um Max Weber und zu den Neukantianern um W. Windelband. Wegen schwacher Konstitution konnte er den Beruf des Arztes nicht ergreifen, wechselte in die Philosophische Fakultät, habilitierte sich dort für Psychologie mit dem Werk Allgemeine Psychopathologie (1913), wurde Extraordinarius und erhielt 1921 einen Lehrstuhl für Philosophie. Wegen seiner Loyalität gegenüber seiner jüdischen Frau wurde er während der NS-Herrschaft schikaniert und bedroht. Nach Kriegsende betrieb er einen demokratischen Neuaufbau der Heidelberger Universität, ging aber 1948 aus Enttäuschung über den vorherrschenden Veränderungsunwillen nach Basel, von wo er die Entwicklung in Deutschland kritisch beobachtete und kommentierte. Jaspers nennt seine Psychologie und Psychopathologie Phänomenologie, prägt die Bezeichnung Verstehende Psychologie und stellt sich in eine durch E. Husserl und W. Dilthey begründete Tradition, die sich in Opposition zu einer Erklärenden Psychologie sieht. Lebenszusammenhänge bilden Ganzheiten, die idiographisch beschrieben und durch Einfühlung und Verstehen aufgeschlossen werden müssen. Ganzheiten bilden etwa idealtypische Persönlichkeitsgebilde, was Jaspers zu einer Typologie führt, die er in Psychologie der Weltanschauungen (1919) darstellt und damit die deutsche Charakterologie der nächsten Jahrzehnte vorformt. In späteren Werken wie Philosophie (1932) oder Existenzphilosophie (1938) werden Fragen der Psychologie nur noch gestreift.

Literatur

Hersch, J. u. a. (Hrsg.). (1986). Karl Jaspers, Philosoph, Arzt, politischer Denker. München: Piper.

Wiehl, R. (Hrsg.). (1999). Karl Jaspers, Philosophie und Politik. Heidelberg: Winter.


 
     
 
 
     
 
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