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Phänomenologische Psychologie

 
     
   
uneinheitlich verwendeter Begriff für eine Richtung bzw. Haltung, die ein Forscher für bestimmte Zwecke und in bestimmten Phasen seiner wissenschaftlichen Arbeit einnehmen kann. Die Kernannahme der phänomenologischen Vorgehensweise ist die Intentionalität der Person-Umwelt-Beziehung. Mit Intentionalität wird in dem auf E. Husserl zurückgehenden phänomenologischen Sprachgebrauch ein Grundzug menschlichen Bewußtseins wie Handeln bezeichnet, der die Person-Umwelt-Korrelation prinzipiell unauflösbar macht. Methodologisch ergibt sich daraus, daß die analytische Einheit in einer phänomenologisch orientierten Psychologie nicht – wie sonst psychologie-üblich – die Person in ihrem “Erleben” und “Verhalten”, sondern die “intentionale Person-Umwelt-Relation” ist. Intentionale Analyse ist letztlich dann immer Situationsanalyse, weil die Person eine “situierte” Person ist bzw. weil die intentionale Situation zu berücksichtigen ist, wenn wir Gefühle und Handlungen erklären wollen. Es genügt bei der Analyse von Verhalten nicht (wie es im behavioristischen Forschungsprogramm versucht wurde), es nur so aufzufassen, als stünde es unter der Kontrolle von physischen Stimulusbedingungen. Vielmehr gilt: “Verhalten ist eine sinnvolle Antwort auf eine Situation, die ihrerseits für das Subjekt Sinn hat. Diese sinnvolle Situation ist eine Konstruktion des Subjekts” bzw. soziale Konstruktion von mehreren Subjekten, die – in sozialer Interaktion stehend – ihre jeweilige Situation definieren, also deren Sinn im Sinne von Berger und Luckmann “aushandeln”. Die methodologische Konsequenz der phänomenologischen Struktur- bzw. Situationsanalyse daraus ist, daß die Psychologie aufgrund dieser subjektiven Bedeutungszuschreibung Interpretation in einem Maße einzubeziehen hat, das für die Naturwissenschaften nicht gilt.

Von der phänomenologischen Orientierung abzugrenzen sind die einfache Deskription sowie auch die Introspektion. “Phänomenologie” ist weder im ganzen noch in wesentlichen Teilen die Beschreibung irgendeines Erlebens oder Verhaltens als solches, noch gestattet sie die binnenseelische Introversion (Selbstbeobachtung, self.report). Intentionalität richtet sich zwar auch auf die eigene Person, doch zuallererst ist sie sinnhaft auf die jeweilige Welt des Subjekts, auf Personen ,,Dinge und Ereignisse, bezogen, so wie sie die jeweilige Person erlebt – nicht jedoch auf die analytischen Einheiten “Vorstellungen”, “Gefühle” und “Kognitionen”.

Die wichtigsten Funktionen der phänomenologischen Methodik sind: 1) kritische Funktion: Voraussetzungsbewußtheit bzw. disziplinierte Naivität, die kritische Prüfung aller die Sache betreffenden Vorannahmen und Selbstverständlichkeiten, die den unmittelbaren Blick auf den Sachverhalt verdecken könnten; Identifizieren der in psychologischen Theorien impliziten Ideologien und Weltanschauungen. 2) deskriptive Funktion: intentionale Deskription, d.h. Mitanalyse des Verhaltens- und Handlungssinnes.

Literatur

Graumann, C. F. (1994). Phänomenologische Psychologie. In R. Asanger & G. Wenninger (Hrsg.), Handwörterbuch der Psychologie (5. Aufl.). Weinheim: Psychologie Verlags Union.


 
     
 
 
 
     
 
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