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Selbstschädigung

 
     
   
im engeren Sinne betrifft direkte körperliche Selbstverletzungen (z.B. Schnitte, exzessives Piercing und Tätowieren, Suizid; im weiteren Sinne Formen mangelnden Selbstschutzes aufgrund geringer Abgrenzungsfähigkeit, negativer internaler Konzepte und geringem Selbstwertgefühl (z.B. eine nicht durch absichtliches Risikoverhalten bedingte Unfallneigung, chronischer Streß, Selbstaufopferung, Self-Handicapping). Selbstschädigung kann auch krankheitsbedingte bzw. genetische Ursachen haben (z.B. Schizophrenie, Lesch-Nyhan-Syndrom) und als Hilferuf und/oder Protestfunktion dienen. Sie ist auch ein Abgrenzungsversuch, wenn der eigene Leib als letzte Bastion erlebt wird, wo eigenständiges, macht- und wirkungsvolles Handeln möglich ist. Zudem ist Selbstschädigung bei mangelnder Leibwahrnehmung als Versuch zu sehen, sich eigenleiblich zu spüren und in Kontakt mit sich zu treten. Ob und ab welchem Ausmaß ein Verhalten letztlich der Selbstschädigung dient, ist durch kulturelle Aspekte mitbedingt, z.B. bei Tätowierungen, Initiationsriten.

Tendenzen zur Selbstschädigung. werden deutlich durch Belastungen gefördert und durch Ressourcen reduziert. Die Kombination “hohe Belastungen – wenig Ressourcen" findet sich insbesondere in Großstädten mit über 500.000 Einwohnern. Auch Erziehungsstile wirken sich auf Ressourcenreichtum aus: Fast die Hälfte der Jugendlichen, die mit einem paradoxen (Anforderungen erhöht, emotionaler Rückhalt erniedrigt) oder gleichgültigen (Anforderungen erniedrigt, emotionaler Rückhalt erhöht) Erziehungsstil aufgewachsen sind, weisen hohe Belastungen und geringe Ressourcen auf, doch nur ein Sechstel der Jugendlichen, die mit einem reifen (Anforderungen erhöht, emotionaler Rückhalt erhöht) oder naiven (Anforderungen erniedrigt, emotionaler Rückhalt erhöht) Erziehungsstil aufgewachsen sind.

Literatur

Schmidtchen, G. (1989): Schritte ins Nichts. Selbstschädigungstendenzen unter Jugendlichen. Opladen: Leske und Budrich.


 
     
 
 
 
     
 
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