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Kommunikationssysteme bei Tieren

 
     
 
weisen Ähnlichkeiten mit menschlicher Sprache auf. Die Untersuchungen von von Frisch zur sog. Bienensprache ergaben eine Reihe erstaunlicher Parallelen bezüglich der Gesetzmäßigkeiten, die auch in menschlicher Sprache relevant sind. Die Nutzung von Symbolbildung und Metaphorik wird etwa darin deutlich, daß die Biene im dunklen Bienenstock ihren Artgenossinnen die Richtung, die beim Flug zu einer Nahrungsquelle einzuhalten ist, signalisiert, indem sie die Richtung zur Sonne auf ihre Richtung zur Erdachse beim Schwänzeltanz überträgt. Die Bildung von Relationen (z.B. Komparation) zeigt sich, wenn die Entfernung der Nahrungsquelle mit der Zunahme der Bewegungsschnelligkeit beim Tanz abnimmt. Ameisen markieren die Intensität einer Futterquelle durch die Intensität der auf dem Laufweg abgegebenen Duftstoffe (Pheromone). Dialektähnliche Phänomene finden sich bei vielen Lebewesen, so bei Singvögeln, die in unterschiedlichen geographischen Regionen beheimatet sind, bei verschiedenen Ameisenarten, bei unterschiedlich geographisch angesiedelten Bienen sowie bei Walen. Bei den Buckelwalen sind auch menschlichen Moden ähnliche Verhaltensweisen bekannt, wobei das Thema der Gesänge sich aus noch ungeklärten Gründen von Jahr zu Jahr charakteristisch ändert.

Zum Teil recht ausgefeilte empirische Untersuchungen wurden mit Sprachlernexperimenten bei Primaten vorgenommen. Erste Versuche, junge Affen in menschlichen Familien aufzuziehen, führten nicht über die rudimentäre Aneignung weniger Worte hinaus, auch wenn das Schimpansenweibchen, das das Ehepaar Kellog in den 30er Jahren acht Monate mit dem eigenen Sohn zusammen großzog, sich rezeptiv immerhin 95 Wörter aneignete. Daher kam das Ehepaar Gardner auf die Idee, Affen in einer Form der Taubstummensprache, der American Sign Language, zu unterrichten. Das im Doppelblindversuch organisierte Projekt zeigte, daß die Affen bei solchen Versuchen in die Nähe 2- bis 3jähriger Kinder gelangten, die erlernte Zeichensprache auch ohne menschliche Intervention an andere Affen weitergeben konnten, von sich aus neue Wörter und Wortkombinationen bildeten und selbständig grammatikalische Regeln konzipierten, wie sie in einigen Sprachen auch vorkommen. So wählte ein Bonobo (Bergschimpanse) von Greenfield und Savage-Rumbaugh (1990), ähnlich den tauben Kindern hörender Eltern, ergative, d.h. passivische Konstruktionen, indem er dem Verb sowohl das transitive Objekt als auch das intransitive Subjekt nachstellte. Auch die mehrfache Wiederholung von Äußerungen im Zustand der Emphase (Begeisterung) wurde ähnlich dem Verhalten kleiner Kinder beobachtet. Die Befunde werden so gedeutet, daß es mehr der Konstruktion ihres Kehlkopfes zuzuschreiben ist, daß Affen das Niveau menschlicher Sprache nicht erreichten, nicht aber ihren Gehirnstrukturen.


 
     
 
 
     
 
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