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Kritische Theorie

 
     
   
auch: Frankfurter Schule, ist in den 20er Jahren entstanden und vor allem mit den Namen von Max Horkheimer, Theodor W. Adorno, Herbert Marcuse, Leo Löwenthal und Erich Fromm verbunden. Im Frankfurter "Institut für Sozialforschung" sammelten sich kritische Intellektuelle aus Philosophie, Soziologie, Psychologie und Ökonomie, die durch interdisziplinäre Arbeit die Grenzen der Einzelwissenschaften überwinden wollten. Der Anspruch zielte auf eine Theorie der kapitalistischen Vergesellschaftung, die eine deutungsfähige Alternative zu parteimarxistischen Erklärungen bilden sollte. Deren ökonomistische Weltsicht konnte nicht plausibel erklären, warum es in den wirtschaftlich fortgeschrittensten kapitalistischen Ländern zu keiner revolutionären Veränderung kam. Speziell auf Deutschland bezogen hat diese Frage eines der ertragreichsten interdisziplinären Forschungsprojekte initiiert: Autorität und Familie, aus dem sich dann später die Untersuchung zum autoritären Charakter entwickelte (autoritäre Persönlichkeit, Autoritarismusforschung). Die Psychoanalyse repräsentierte in dem interdisziplinären Verbund die Wissenschaft vom Subjekt. Gerade die skeptische Kulturtheorie von Freud, die einen unversöhnlichen Widerspruch zwischen der Triebnatur des Menschen und den zivilisatorischen Ansprüchen der Kultur postulierte, wurde vor allem von Adorno als Beleg seiner kritischen Radikalität gesehen. Er verteidigte sie gegenüber allen sozialpsychologischen und soziologischen Bemühungen, eine theoretische Integration von Subjekt und Gesellschaft zu formulieren. Die Trennung von Psychologie und Soziologie sieht er als Beleg für die reale Trennung von Individuum und Gesellschaft in einer kapitalistischen Gesellschaft. In dieser kann es keine "Versöhnung" subjektiver Vorstellungen vom guten Leben mit dem gesellschaftlichen Zweck der Maximierung von Profiterwartungen geben. Die Kritische Theorie ist vom Sieg des Nationalsozialismus in die Emigration gezwungen worden. In der 50er Jahren kamen Horkheimer und Adorno nach Deutschland zurück. In der Studentenbewegung erfuhren ihre Konzepte eine bemerkenswerte Resonanz. Jürgen Habermas, Klaus Horn und Alfred Lorenzer haben das Erbe der Kritischen Theorie anzutreten und vor allem die Psychoanalyse in ihrem gesellschaftskritischen Potential weiterzuentwickeln versucht.

Literatur

Türcke, C. & Bolte, G. (1994). Einführung in die kritische Theorie. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft.


 
     
 
 
 
     
 
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