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Lehrevaluation

 
     
   
Bezeichnung für die Beurteilung der Qualität der Lehre an Hochschulen. Diese bezieht sich auf einzelne Veranstaltungen und/oder auf den Lehrbetrieb als ganzes (z.B. inklusive Ausbildungsinhalten, Studienbedingungen, Prüfungen) und kann durch Studierende, Lehrende (Selbstevaluation) oder Fremdbeurteiler (geschulte Rater, Kollegen, Praktiker, Hochschuldidaktiker) vorgenommen werden. Meist werden jedoch Studierende eingesetzt, die Nutzer der Lehre, die durch Kenntnis vieler verschiedener Dozenten und Veranstaltungen, durch kontinuierliche Anwesenheit in Kursen und durch Nutzung des Studienangebotes dazu im besonderen geeignet sind. Eine Ergänzung - nicht Ersetzung - der Beurteilungen durch objektive Indikatoren (Prüfungsleistungen, Studiendauer, Dozenten-Studenten-Relation etc.) und durch Fremdbeurteilungen ist jedoch zu empfehlen. Lehrevaluationen werden von Hochschulen eingesetzt, um einzelnen Dozenten über Feedback zu helfen, ihre Lehre zu verbessern, um Qualitätsbewußtsein zu demonstrieren, um Studierenden als Informationsgrundlage bei der Kurswahl zu dienen, um als ein Qualifikationsmaß bei Bleibe-, Gehalts- und Berufungsverhandlungen herangezogen zu werden und um gemeinsam mit Forschungsleistungen Vergleiche zwischen einzelnen Universitäten vorzunehmen. An deutschen Hochschulen ist im internationalen Vergleich die Evaluation der Forschung sowie im besonderen die der Lehre wenig verbreitet. In den USA werden Lehrevaluationen an über 90% der Universitäten eingesetzt. Dies ist vor allem auf die unterschiedliche Finanzierung von Studienplätzen, verschiedene Organisationskonzepte und andere hierarchische Strukturen zurückzuführen. Vor einer Evaluation der Lehre sollte ein systematisches Studium der Merkmale und Bedingungsfaktoren guter Lehre stehen. Diese lassen sich über Lehrziele, theoretische Analysen oder empirische Befunde (z.B. aus der Lehr-Lern-Forschung) oder Befragungen von Lehrenden und Studierenden gewinnen. Eingesetzte Lehrinventare sollten den Gütekriterien der Testkonstruktion Genüge leisten (z.B. Reliabilität) und multidimensional konstruiert sein. Relevante Skalen beziehen sich auf Struktur, Klarheit, Engagement des Dozenten usw. Neben didaktischen Kompetenzen spielen auch soziale Verhaltensweisen eine große Rolle (Interaktion, Klima, Eingehen auf Rückfragen etc.).

Gute Lehre wird jedoch nicht nur durch gute Dozenten erzielt, notwendig sind auch günstige Rahmenbedingungen und entsprechende Voraussetzungen auf Studentenseite (Vorwissen, Interesse etc.). Diese drei Faktoren (Dozent, Rahmenbedingungen, Studierende) bewirken im Zusammenspiel gute Lehre in Form von guten Veranstaltungen und intendierten Veränderungen auf seiten der Studierenden (Lernerfolg).

Lehrevaluationen sind nicht unumstritten. Studierenden wird fehlende Urteilskompetenz oder Orientierung an irrelevanten Kriterien vorgeworfen. Dies kann durch die empirische Forschung größtenteils widerlegt werden. Studentische Beurteilungen in Form von Veranstaltungsmitteln sind reliabel, weitgehend valide, primär auf das Verhalten des Dozenten in den Veranstaltungen zurückführbar und nur gering durch Biasvariablen (z.B. Themainteressantheit) verzerrt. Allerdings sollten bei Verwendung als Maß der Lehrkompetenz einzelner Dozenten immer mehrere verschiedene Veranstaltungen herangezogen werden, die von jeweils mindestens 10 Studierenden beurteilt wurden. Die Freiheit der Lehre wird durch Lehrevaluationen nicht eingeschränkt, ihre Qualität aber gesichert. Der Nutzen von Lehrevaluationen hängt stark von den Rahmenbedingungen ihres Einsatzes ab. Einfaches Feedback ohne Verbindung mit Weiterbildungs- oder Beratungsangeboten und ohne Verknüpfung mit relevanten Anreizen hat sich bislang meist als wirkungslos erwiesen. Einsatz und Verwendung von Lehrevaluationen müssen institutionell adäquat unterstützt werden.

Literatur

Rindermann, H. (1997). Die studentische Beurteilung von Lehrveranstaltungen: Forschungsstand und Implikationen für den Einsatz von Lehrevaluationen. In R. S. Jäger, R. H. Lehmann & G. Trost (Hg.), Tests und Trends (Jahrbuch der Pädagogischen Diagnostik, 11) (S. 12-53). Weinheim: Beltz.


 
     
 
 
 
     
 
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