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Trauertherapie

 
     
   
die modifizierte Anwendung der gängigen Therapieverfahren auf die Trauerproblematik. Entsprechend dem Rogerschen Ansatz spielt dabei die gefühlsmäßige Reaktion des Therapeuten auf die Trauer eine entscheidende Rolle: Akzeptanz, Empathie, Echtheit (Gesprächspsychotherapie). Die übliche personzentrierte Therapie sprengen zwei weitere Elemente der Klientenzentrierten Trauertherapie: Wissensvermittlung und Vermittlung alltagspraktischer Handlungskompetenz. Da Trauernde oft in ihrem Realitätsgefüge tief erschüttert sind und glauben, ihren Wahrnehmungen nicht mehr trauen zu können (wenn sie z.B. glauben, den Verstorbenen zu sehen oder zu hören), ist es sinnvoll, Informationen über Trauer und die Normalität von Trauerreaktionen zu geben. Vermittlung alltagspraktischer Handlungskompetenz kann bei Beziehungen wichtig werden, bei denen ein Partner sich in bestimmten Bereichen (z.B. Bankgeschäfte, Ernährung) völlig auf den anderen Partner verließ. Hier darf der Therapeut sein Wissen zur Verfügung stellen, es sei denn, er nimmt eine sog. Hilflosigkeitsmasche (Hilflosigkeit, erlernte) wahr.

Darüber hinaus ist eine Reihe spezieller Trauertherapien entwickelt worden. 1) Die transitionale Familientherapie untersucht Familienskripts generationenübergreifend und insbesondere die Übergänge von einem Lebensabschnitt zum nächsten, um typische Reaktionsmuster herauszufinden und daran zu arbeiten (Familie, Systemische Familientherapie). 2) die Augenbewegungs-Desensibilisierung (EMDR) von Shapiro. 3) Die Trauertherapie von Volkan, eine psychoanalytische Fokaltherapie mit etwa 4 Monaten Dauer bei mindestens 3 wöchentlichen Sitzungen: Sie beginnt mit “demarcation exercises”, bei denen eine klare Trennung zwischen Gefühlen und Reaktionen des Verstorbenen und des Hinterbliebenen erarbeitet werden soll und entschieden wird, was von Erlebnisanteilen des Toten, mit denen sich der Hinterbliebene identifiziert hat, behalten und was zurückgewiesen werden soll. Das zentrale Moment stellt dann die Arbeit mit Brückenobjekten dar. Hierunter versteht man Objekte, die die Brücke zwischen dem Reich der Lebenden und der Toten darstellen. Sie sind für den Toten oder die Beziehung zu ihm repräsentative und nicht mehr ihrem eigentlichen Zweck dienende Gegenstände, z.B. das Taschentuch, in das man bei seinem Tod geweint hat, seine Eisenbahn, ihr Haarspray usw. Sie können bei Bedarf aus dem Schrank geholt werden und ebenso dort wieder, ohne weiter von ihnen belästigt zu werden, eingeschlossen werden. Diese Objekte werden zwischen Therapeut und Klient auf den Tisch gelegt und vom Klienten berührt, wobei alle Einfälle und Gefühle, die ausgelöst werden, zugelassen und geäußert werden. Danach verbleibt das Brückenobjekt bis zur nächsten Stunde beim Therapeuten. Während der Therapie werden Übertragungen analysiert. Eine Schwierigkeit ist, daß das zentrale Anliegen der Trauernden in der Therapie ein nicht realisierbarer Wunsch ist, sie möchten, daß der Therapeut den Zustand vor dem Verlust wieder herstellt, sie den Verlorenen zurückerhalten.

Literatur

Jerneizig, R., Langenmayr, A. & Schubert. U. (1994): Leitfaden zur Trauerberatung und Trauertherapie (2. Aufl.). Göttingen: Vandenhoeck u. Ruprecht.

Langenmayr, A. (1999). Trauerbegleitung - Beratung, Therapie, Fortbildung. Göttingen: Vandenhoeck u. Ruprecht.


 
     
 
 
 
     
 
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