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Konflikt nach Freud

 
     
   
ein Thema, das immer noch konstitutiv für die psychoanalytische Anthropologie ist, wenngleich es in den zurückliegenden 20 Jahren eine erneute Hinwendung zum Trauma gab. Sigmund Freud betrachtete den Menschen als Konfliktwesen, dessen gesamte Existenz durch die letztlich unaufhebbare Gegensätzlichkeit von naturnahen Bedürfnissen und sozialen Normen geprägt ist. Auch wenn Menschen lernen, sich an die soziokulturellen Verhältnisse anzupassen, und dies auch den Anschein geglückter Enkulturation macht, so fügen sie sich nach Freud immer nur oberflächlich in die Beschränkungen ein, die ihnen von der jeweiligen Kultur vorgegeben werden. Freud ging somit von der Annahme aus, daß die Kultureignung des Menschen stets prekär bleibt - und das zurückliegende Jahrhundert des Schreckens scheint ihm in dieser Annahme Recht gegeben zu haben. Die mit der Kultur einhergehenden Versagungen lassen nach Freud die Kultur nur schwer ertragen, auch wenn der Naturzustand in seiner Bedrohlichkeit Kulturarbeit erforderlich macht. Gegen eine Rückbildung des sozialisierten Triebverzichts ist somit kein Mensch gänzlich gefeit. Jeder bleibt nach Freud deshalb auch virtuell ein Feind der Kultur.

In der klinischen Psychoanalyse wird zwischen fünf Konfliktebenen unterschieden: 1) dem kindlichen Konflikt, 2) dem verinnerlichten unbewußten Konflikt, 3) den Symptomen als Ausdruck des unbewußten Konflikts, 4) dem aktuellen Konflikt und 5) dem Übertragungskonflikt. Der kindliche Konflikt ergibt sich aus dem Erleben, kindliche Wünsche und elterliche Anforderungen nicht zur Deckung bringen zu können, was in der Regel die Verdrängung der ursprünglichen Wünsche und den verinnerlichten Konflikt zur Folge hat. Dieser kann als Ausdruck der verschiedenen Instanzen oder Systeme (Es, Ich, Über-Ich) aufgefaßt werden, z.B. als Konflikt zwischen Wünschen und Gewissensforderungen. Neben diesen inter-systemischen Konflikten gibt es auch intra-systemische Konflikte - wenn z.B. verschiedene Wertvorstellungen und Gebote inner-halb des Über-Ichs konfligieren. In den Symptomen verschaffen sich die unterdrückten Wünsche einen körperlich und seelisch erfahrbaren Ausdruck in Form von Kompromissen. Im Übertragungskonflikt äußern sich Anteile des kindlichen, aber auch adoleszenten verinnerlichten Konflikterlebens einschließlich dem Erleben der Therapeut-Patient-Beziehung. Der aktuelle Konflikt drückt einen erlebnisnahen Alltagskonflikt aus.

Legte die Psychoanalyse anfänglich Wert auf den ödipalen Konflikt (Ödipus-Konflikt) in seinen verschiedenen Erscheinungsformen, so wurden nach und nach weitere Konfliktinhalte konzeptualisiert: So der Konflikt zwischen Abhängigkeit versus Autonomie; Unterwerfung versus Kontrolle; Versorgung versus Autarkie und die verschiedenen Identitäts- und Selbstwertkonflikte.

Literatur

Müller-Pozzi, H. (1995). Psychoanalytisches Denken (2. korr. Aufl.). Bern: Huber.


 
     
 
 
 
     
 
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