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Marginalitäts-Theorie

 
     
   
von Kurt Lewin entwickelter Ansatz, befaßt sich mit der speziellen Problemlagerung der Adoleszenz (Jugendpsychologie). Die emotionalen Turbulenzen (erhöhte Aggressivität und Sensitivität) sind Folge eines kognitiven Konfliktes zwischen dem Lebensraum der Kindheit und des Erwachsenen, der beschleunigten Bewegung von einem Stadium in das andere, der mangelnden kognitiven Strukturierung der Zielregion, in die hinein man sich entwickelt, der erhöhten Plastizität und Formbarkeit – aber auch Verführbarkeit (jugendlicher Radikalismus) infolge der Lageinstabilität zwischen den Bezugsgruppen. Die Marginalitäts-Theorie geht davon aus, daß ein Jugendlicher eine Marginal-Persönlichkeit (marginal man) ist, die an den sich überlappenden Randregionen zweier Lebensräume anzusiedeln ist. Er gehört weder der Gruppe der Kinder an, noch jener der Erwachsenen – er ist sich seiner Zugehörigkeit nicht sicher.

In dieser kognitiven Unsicherheit wechselt er stetig von einer bekannten in eine psychologisch unbekannte, eine "kognitiv unstrukturierte Region". Die Dynamik dieses Prozesses wird gelenkt von der "sozialen Lokomotion", die in eine Richtung läuft. Wo Kinder und Erwachsene keine klar getrennten Gruppen sind, vollzieht sich der Wandlungsprozeß langsam; um so schneller ist er, je mehr sich beide unterscheiden. Für die Folgen der kognitiven Labilisierung beim Jugendlichen formuliert Lewin plausible Erklärungen für anscheinend typisch jugendliche Erlebens- und Verhaltensformen:

– Der Mangel an Eindeutigkeit und Richtung im Feld führt zu Unsicherheit des Verhaltens – mit erhöhter Aggressivität und Sensitivität.

– Diese Periode radikaler Veränderung ist naturgemäß eine Lebensphase größerer Plastizität.

– Eine Person im Zustand der Bewegung aus einer Region K in eine Region E ist in einer instabilen Lage und infolgedessen formbarer.

– Die Ideale und Werte des Jugendlichen sind von unsicherem Charakter.

– Der Jugendliche ist in Konflikt und Spannung, je zentraler diese Werte sind.

– Die Adoleszenz verlangt als Lebensabschnitt Planung der Zeitperspektive, um Idealziele, Wertungen und Wirklichkeit in Einklang zu bringen;

– Der Wunsch nach Strukturierung der Bereiche des jugendlichen Lebensraums zur Konfliktlösung ist einer der tieferen Gründe für die Bereitschaft des Jugendlichen, "jedem zu folgen, der ein bestimmtes System von Werten anbietet”.

Literatur

Lewin, K. (1939/ 1982). Feldtheorie und Experiment in der Sozialpsychologie. In C. F. Graumann (Hrsg.), Feldtheorie. Bd.4 der Kurt-Lewin-Werkausgabe (187-213). Bern: Huber.

Schmitz, E. & Stiksrud, A. (1994). Erziehung, Entfaltung und Entwicklung (2. Aufl.). Heidelberg: Asanger.
 
     
 
 
 
     
 
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