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Widerstand

 
     
   
ein Grundbegriff der Psychoanalyse. Er hängt mit der Verdrängung zusammen. Triebregungen und Konflikte, die als gefährlich oder peinlich erlebt worden sind, sind ins Unbewußte abgedrängt worden; wenn sie nun irgendwie angesprochen werden, soll der Widerstand dafür sorgen, daß sie nicht wieder voll ins Bewußtsein treten und aufs neue verstören. Solche Widerstände lassen sich relativ leicht beobachten, wenn man versucht, mit der Methode der freien Assoziation seine Fehlleistungen und Träume zu deuten. Da reißt dann plötzlich die Kette der Assoziationen ab; es fällt einem nichts mehr ein. Wenig später mag sich die gesuchte Erinnerung spontan einstellen; und dann wirkt es vielleicht unbegreiflich, daß sie nicht sofort greifbar gewesen ist. Der aktuelle Konflikt ist inzwischen abgeklungen, der Widerstand ist aufgehoben ; aber es bedarf einer neuen Anstrengung, ehe man einsieht, daß die zeitweilige Abwehr wirklich einen besonders wichtigen Konflikt betroffen hatte. In der psychoanalytischen Kur ist die Beobachtung der wechselnden Widerstände ein wichtiges Mittel zur Erkenntnis der Komplexe, die krank gemacht haben. Die Abwehr kann sich bis zum völligen Verstummen des Patienten steigern. Sie folgt zum Teil einer Übertragung, das heißt, in dem Widerstand gegen den Arzt wiederholt sich die Abwehr, die einst gegen eine wichtige Person der Kindheit, namentlich den Vater oder die Mutter, geleistet worden ist. Die heftigsten Widerstände sind ebenso unbewußt wie die Konflikte, die sie verdecken. Erst wenn sie überwunden werden können, ist eine Einsicht in den Konflikt möglich, aus der dann auch eine neue, bessere Einstellung zu ihm gefunden werden kann. In anderen Verfahren der Psychotherapie wird der Widerstand umgangen. Vor allem die Hypnose macht ihn zeitweilig unwirksam. Das bedeutet jedoch, daß der Patient seinen Konflikt nicht voll nacherleben und nicht eigentlich erkennen kann. Da die Psychoanalyse als »Wissenschaft vom Unbewußten« die typischen Verdrängungen des Menschen in der Kultur sozusagen allgemein bewußt gemacht hat, trifft sie auch ein allgemeiner Widerstand. Viele ihrer Aussagen werden abgelehnt nur, weil sie an Konflikte erinnern, die man nicht wahrhaben möchte.Begriff der Psychoanalyse, der alle Äußerungen umfaßt, die sich der Aufdeckung des Unbewußten entgegenstellen. Durch die Verpflichtung zur Äußerung aller Einfälle wird der Patient dazu gebracht, auch seine Widerstände so weit zu verdeutlichen, daß sie bearbeitet werden können; der Ausdruck «Widerstand» ist insofern gelegentlich irreführend, weil er als Äußerung bewußter Einwände oder eines absichtlichen Verschwei-gens verstanden wird. Diese bewußten Sperren sind relativ leicht zu erkennen (Verneinung), während die unbewußten Widerstände erheblich schwerer zu bearbeiten sind. Andererseits macht die Arbeit an ihnen den wichtigsten, verändernden Teil einer psychoanalytischen Behandlung aus. Widerstandsäußerungen sind: Aufhören der Einfälle (der Patient schweigt), Vergessen der Analysestunde, Zuspätkommen, Abspaltung der Gefühle von den vorgebrachten Einfällen, Beiseiteschieben wichtiger Einfälle durch Gerede über Belanglosigkeiten, Übertragung und die mit ihr verknüpften Schwierigkeiten.
 
     
 
 
 
     
 
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