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Akkulturationsstreß

 
     
   
Akkulturationsstreß, Folgen der Probleme, die mit dem Einleben in eine fremde Kultur verbunden sind (Interkulturelle Psychologie). Menschen, die ihr Heimatland verlassen, um in einem fremden Land zu leben, werden im Gastland mit ungewohnten neuen Anforderungen konfrontiert. Unabhängig von der Vielfalt der Motive, die zu einem dauerhaften oder zeitlich begrenzen Aufenthalt in einem anderen Land führen (z.B. berufliche, ökonomische oder politische Gründe), bedeutet bereits der Migrationsprozeß eine große Belastung. Obgleich das Motiv der Migration und die damit verbundene Aufenthaltsdauer im Gastland eine entscheidende Rolle für das Erleben und die Verarbeitung der veränderten Lebenssituation spielen, verursachen zum Beispiel die Trennung von Angehörigen und Freunden, soziale und emotionale Isolation, Verlust vertrauter Umgebung, fremdes Klima und fremde Ernährungsgewohnheiten bei vielen Menschen Streß. Dieser Streß wird um so intensiver erlebt, wenn die Migration unfreiwillig und ohne Vorbereitungszeit erfolgte (z.B. bei Kriegs- oder Katastrophenflüchtlingen). Die Unkontrollierbarkeit der Situation stellt in diesem Zusammenhang einen wichtigen Stressor dar (Abb.).

Der Umgang mit einer neuen Kultur erfordert das Erlernen neuer Fähigkeiten. In der Auseinandersetzung mit der Kultur des Gastlandes setzt ein Veränderungsprozeß ein, der als Akkulturation bezeichnet wird. Der Grad der Unterschiedlichkeit beider Kulturen (z.B. Sprache, Religion, politische Struktur) bestimmt hierbei das Ausmaß des Stresses mit. Es lassen sich vier Strategien der Anpassung an die kulturellen Veränderungen unterscheiden: Assimilation, Integration, Separation und Marginalisation. Während die ersten beiden Begriffe Assimilation und Integration für die erfolgreiche Interaktion mit der dominierenden Gruppe in der Gesellschaft stehen (z.B. Erlernen der Sprache und neuer Verhaltens- und Interaktionsmuster), beschreiben Separation und Marginalisation den Rückzug in die eigene ethnische Enklave. Akkulturationsstreß entsteht zum einen aus den Erfahrungen, die während des Akkulturationsprozesses gemacht werden, und zum anderen aus Konflikten, die im Kontakt mit Mitgliedern der eigenen ethnischen Gruppe und der gesellschaftlich dominierenden Gruppe auftreten. Die Quellen potentieller Stressoren sind zum Beispiel das tägliche Zusammenleben mit der Familie, der Umgang mit Kollegen am Arbeitsplatz, der Verlust von Status, Identitätskonfusion sowie Diskriminierung oder Vorurteile, die ethnischen Minderheiten entgegengebracht werden. Akkulturationsstreß manifestiert sich häufig in Form von Gesundheitsproblemen (niedriger mentaler Status, z.B. einhergehend mit Angst und Depression), Entfremdungsgefühlen und einer erhöhten Anfälligkeit für psychosomatische Reaktionen. Die Beziehung zwischen der Akkulturationserfahrung und dem daraus resultierenden Streß wird von einer Reihe moderierender Faktoren beeinflußt, z.B. der Immigrationspolitik des Gastlandes und der Struktur der Gastgesellschaft.

Literatur

Berry, J.W. (1992). Acculturation and adaptation in a new society. International Migrations, 30, 69-85.

Taft, R. (1977). Coping with unfamiliar cultures. In Warren, N. (Ed.). Studies in cross-cultural psychology. Volume 1. London: Academic Press.
 
     
 
 
 
     
 
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