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Gruppenkonflikt realistischer

 
     
   
Konflikte zwischen Gruppen, Intergruppentheorie. Die Analyse von Intergruppenverhalten unter Zugrundelegung der Interessen und Ziele der beteiligten Gruppen wurde in zahlreichen Ansätzen aus der Soziologie, Anthropologie und Sozialpsychologie verfolgt. Die sozialpsychologische Theorie des realistischen Gruppenkonflikts ist in der sozialpsychologischen Forschung fast ausschließlich mit der Gruppentheorie von M. Sherif verknüpft. Die Konflikte zwischen den Gruppen wurden im Rahmen dieser Ansätze als "rationale" Konsequenz inkompatibler, konkurrierender Interessen zwischen Gruppen verstanden.

Die Theorie des realistischen Gruppenkonflikts ist dabei aufs engste mit den drei von M. Sherif durchgeführten Ferienlagerexperimenten verbunden, von denen das erste im Jahre 1949 in Connecticut durchgeführt wurde, gefolgt von einer weiteren Untersuchung 1953 im Staate New York. Die dritte, unter dem Namen "Robber´s Cave study" bekannt gewordene Untersuchung, wurde im Sommer 1954 in Oklahoma durchgeführt und hat im Rahmen dieser Untersuchungsreihe die größte Bedeutung erlangt. An jedem der etwa dreiwöchigen Ferienlagerexperimente nahmen ca. 20-24 Jungen im Alter zwischen 11 und 12 Jahren teil, die aus weißen protestantischen amerikanischen Mittelklassefamilien stammten. Die Experimente bestanden aus jeweils drei Phasen: 1) Gruppenbildung, 2) Induktion von Intergruppenkonflikten (inkompatible Gruppeninteressen durch Wettbewerb zwischen den Gruppen) und 3) Konfliktreduktion (kompatible Gruppeninteressen durch gemeinsame, übergeordnete Ziele).

Die Ergebnisse dieser Ferienlagerexperimente, die in der hier gewählten Darstellungsform die Kernaussagen der Theorie beinhalten, lassen sich in Kurzform folgendermaßen zusammenfassen: 1) Wenn Personen in einer Reihe von Situationen interagieren und ihre Aktivitäten koordinieren müssen, dann bilden sie sehr bald eine Gruppe mit eindeutigen Strukturen und spezifischen Verhaltensnormen. Für diese Art der Gruppenbildung ist eine äußere Bedrohung ebensowenig erforderlich wie eine rivalisierende Gruppe. 2) Wenn zwei Gruppen in einer Reihe von Situationen inkompatible Ziele verfolgen, dann kommt es zu Feindseligkeiten zwischen diesen Gruppen und es entstehen negative Gruppenstereotype. Zusätzliche ethnische, religiöse oder klassenspezifische Unterschiede sind für derartige Feindseligkeiten und Stereotype nicht erforderlich.

Konflikte zwischen diesen beiden Gruppen führen zur erhöhten Solidarität innerhalb der jeweiligen Gruppe. Diese Solidarität zeigt sich u.a. in der Überschätzung der eigenen Gruppenleistung und der Unterschätzung der Leistung der Gruppenmitglieder der rivalisierenden Gruppe. 3) Bloßer Kontakt zwischen diesen Gruppen, selbst dann, wenn die Gruppenziele nicht unvereinbar sind und die Aktivitäten insgesamt positiv sind, reicht nicht aus, um die Intergruppen-Feindseligkeiten zu reduzieren. 4) Kooperation zwischen verfeindeten Gruppen in einer Reihe von Situationen, in denen übergeordnete Ziele vorhanden sind, führt zu einer Kumulierung von Effekten in Richtung auf eine geringere soziale Distanz, den Abbau von Vorurteilen und Stereotypen und letztendlich auch der Konfliktreduktion.

Innerhalb der sozialpsychologischen Forschung ist die Theorie der Sozialen Identität inzwischen die bei weitem prominentere Intergruppentheorie geworden, nicht zuletzt deshalb, weil sie die größere Reichweite hat und laborexperimentell besser zu überprüfen ist.

Literatur

Campbell, D.T. (1965). Ethnocentric and other altruistic motives. In D. Levine (Ed.), Nebraska symposium on motivation, Lincoln, Nebraska: University of Nebraska Press.

Sherif, M. Harvey, O.J., White, B.J., Hood, W.R. & Sherif, C. (1961) Intergroup conflict and cooperation: The robbers cave experiment. Norman: University of Oklahoma Book Exchange.

Sherif, M. & Sherif, C. (1969). Social psychology. New York: Harper & Row.


 
     
 
 
 
     
 
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