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Kunsttherapie

 
     
   
Therapie mit bildnerischen Mitteln, therapeutische Richtung, die Elemente der Psychotherapie mit unerschlossenen Quellen von Kreativität und Audruck von Klienten verbindet. Kunsttherapie umfaßt je nach Ausrichtung neben den klassischen bildenden Künsten auch Musik, Tanz, theatralische Inszenierung und gar Dichtung oder - allgemeiner - Formen der Sprachkunst. In einzelnen Verfahren der Kunsttherapie wird gezielt ein Brückenschlag zwischen den Künsten provoziert; etwa durch die musikalische Stimulation körperlicher Bewegung und die Anregung, farbige Spuren der Bewegung zu erzeugen.

Die "Bildnerei von Geisteskranken" (so der Titel des epochalen Buches von Hans Prinzhorn) stand zunächst nicht in Zusammenhang mit psychiatrischer und psychologischer Diagnostik und Therapie im engeren Sinn. Es handelte sich um eine Form unter anderen, Anstaltsinsassen zu beschäftigen. Auch wenn man inzwischen die konkreten Gestaltungen als Ausdruck und Bewältigungsform der je spezifischen Form psychischer Defizite interpretiert, bleibt nach verbreiteter Auffassung der bloße Umstand, ein Objekt, ein Bild oder eine Plastik hervorgebracht zu haben, ein therapeutischer Faktor. Jenseits von den kathartischen oder wegweisenden Wirkungen, die man sich von der bildnerischen Symbolisierung erhofft, hat das Hervorbringen einen positiven Effekt auf das Selbstbewußtsein.

"Irrenkunst" erregte zeitweise in Künstlerkreisen erhebliche Aufmerksamkeit, und einige Patienten fanden durch Ausstellungen und Verkauf von Bildern selbst Anerkennung als Künstler. Gleichwohl erscheint es angesichts des Werthorizonts des Begriffes "Kunst" manchem Vertreter von bildnerischen Therapieformen angemessener von "Gestaltungstherapie" zu sprechen. Jedenfalls steht Kunsttherapie eher für die Arbeitsweise der Künste als für die Aura von "Kunst". Eine wesentliche Indikation zur Kunsttherapie ist eingeschränkte rational-verbale Zugänglichkeit. So sind psychiatrisch institutionalisierte Personen und Kinder sowie bestimmte (jugendliche) Randgruppen (Delinquenz) bevorzugte Kandidaten der Kunsttherapie. Die stabilisierende Wirkung des "Hervorbringens" in Verbindung mit der Sinnstiftung durch Symbolisierung führt zum Einsatz von Kunsttherapie in der Betreuung von Todkranken, aber auch in der Erwachsenen-Psychosomatik (z.B. mit Angstpatienten), der Therapie von Depressiven oder von Klienten nach einem Schädel-Hirntrauma.

Der Einsatz von Kunsttherapie ist nicht an psychotherapeutische Schulen gebunden. Es handelt sich bei der Kunsttherapie eher um eine Sammlung von Techniken, die für unterschiedliche Auswertungsweisen offen sind. Allerdings besteht besondere Affinität einzelner Therapieschulen zur Kunsttherapie. Die Jungianische Psychoanalyse etwa ist von der Theorie her stärker auf Bilder ausgerichtet als die auf die Sprache zentrierte Freudianische Psychoanalyse.

Literatur

Levic, M. (1982). Kunsttherapie. In R. Corsini (Hrsg.), Handbuch der Psychotherapie. Weinheim: Beltz.


 
     
 
 
 
     
 
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