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Sexualpräferenz-Störungen

 
     
   
eine diagnostische Kategorie (Störungen der Sexualpräferenz; auch: Paraphilie, früher sexuelle Devianz, Perversion), die im ICD-10 den Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen zugeordnet wird. In diese Kategorie fallen sexuelle Deviationen im Hinblick auf die sexuelle Praktik (fetischistischer Transvestitismus, Exhibitionismus, Sadomasochismus, Frotteurismus, Voyeurismus) oder im Hinblick auf die Sexualobjekte (Fetischismus, Pädophilie), wobei die klinische Diagnose davon abhängt, ob das Verhalten als Quelle für sexuelle Erregung im Vordergrund steht oder gar unerläßlich ist. Störungen der Sexualpräferenz sind nicht notwendigerweise strafrechtlich relevant. Über ihre Verbreitung gibt es somit keine genauen Schätzungen. Zur Entstehung von Störungen der Sexualpräferenz gibt es insbesondere in der psychoanalytischen Theorie zahlreiche ätiologische Konzepte, in denen die Bedeutung der Praktik für die Abwehr von Angst (z.B. Kastrationsangst, Angst vor Beziehung, Ich-Auflösung, Objektverlust, Mißerfolg und Versagen) hervorgehoben wird oder ihre Rolle bei der Kompensation schwerwiegender Defizite in der Ich-Entwicklung. In der Verhaltenstheorie wird die Störung der Sexualpräferenz als Resultat komplexer Lernprozesse verstanden, bei denen die Praktik durch dabei entstehende sexuelle Gratifikation quasi selbstverstärkt wird. Schulenunabhängig haben Sexualwissenschaftler versucht, spezifische Merkmale der Störungen (z.B. den suchtartigen Verlauf) sowie ihren allgemeinen Ausdrucksgehalt zu beschreiben (z.B. Demonstration von Männlichkeit, erotisierte Form der Aggression, Omnipotenzerleben). Die Störungen werden nicht selten, insbesondere im Strafvollzug und in der Psychiatrie, medikamentös behandelt (z.B. mit Antiandrogenen). Psychotherapeutische Ansätze sind in der verhaltenstherapeutischen und psychoanalytischen Therapie, ein schulenübergreifendes Behandlungsmodell, das sorgfältig evaluiert wurde, bei Schorsch und Mitarbeitern (1985) beschrieben.

Literatur

Schorsch, E., Galedary, G., Haag, A., Hauch, M.& Lohse, H. (1985) Perversion als Straftat - Dynamik und Psychotherapie. Springer, Heidelberg.


 
     
 
 
 
     
 
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