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pränatale Risikofaktoren

 
     
   
Bezeichnung für Einflüsse, die den Embryo bzw. Fetus potentiell schädigen. Ihr Gefährdungspotential und das Ausmaß der Schädigung variieren in Abhängigkeit vom Zeitpunkt ihres Auftretens (pränatale kritische Phasen). Risikofaktoren können innerhalb oder außerhalb des mütterlichen Systems liegen und lassen sich in

– physikalische (z.B. Röntgenstrahlen, mechanische Reize, Lärm),

– chemische (z.B. Medikamente, Genußmittel, Drogen),

– biologische (genetische, hormonelle, immunologische Bedingungen) und

– psychosoziale Faktoren unterteilen.

Chemische Schadstoffe, die Mißbildungen erzeugen können, werden als Teratogene bezeichnet und stellen wegen der erhöhten Vulnerabilität sich entwickelnder Strukturen und der Möglichkeit der Akkumulation eines Stoffes in einem Organ eine besondere Gefährdung dar. Vor allem Schlaf- und Beruhigungsmittel können eine teratogene Wirkung besitzen (z.B. Mißbildungen der Extremitäten durch Contergan), in der Spätschwangerschaft beeinträchtigen Medikamente wichtige körperliche und psychische Funktionen des Fetus (z.B. Atmung, Wachheit). Der Konsum von Drogen (z.B. Heroin, Kokain) kann massive Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen verursachen und Wachstumsverzögerungen, Verhaltensstörungen und geistige Behinderung zur Folge haben. Schon der regelmäßige Genuß geringer Mengen Alkohol wirkt sich auf die fetale Entwicklung negativ aus, da Alkohol über die Plazenta schnell in den kindlichen Blutkreislauf übergeht. Vor allem in der kritischen Phase der Gehirnentwicklung (12.-18. Woche) wirkt Alkohol neurotoxisch, und bei Alkoholmißbrauch kommt es in 30-50% der Fälle zum fetalen Alkoholsyndrom bzw. zur Alkoholembryopathie. Rauchen gefährdet das Ungeborene, da Nikotin die Plazentaschranke schnell überwindet, wegen der geringeren Blutmenge im kindlichen Blutkreislauf in hohen Konzentrationen vorliegt und nur langsam wieder abgebaut wird. Dabei ist das Passivrauchen (z.B. wenn der Vater raucht) ebenso gefährlich wie aktives Rauchen durch die Mutter (Drogensystematik).

Von den biologischen Faktoren sind vor allem genetische Defekte wie Chromosomenanomalien (z.B. Down Syndrom), immunologische Faktoren (z.B. Rhesusfaktor-Inkompatibilität) und Infektionskrankheiten (z.B. Röteln, Masern, Toxoplasmose) als pränatale Risikofaktoren bedeutsam. Ferner spielen Ernährungsfaktoren eine wichtige Rolle, da während der Schwangerschaft ein erhöhter Bedarf an essentiellen Nährstoffen und Vitaminen besteht. Eine Mangelversorgung des Fetus wird durch unausgewogene Ernährung oder Stoffwechselkrankheiten der Mutter (z.B. Diabetes) verursacht und kann zu Wachstumshemmungen und Schädigungen des Gehirns, in Extremfällen zu spontanen Aborten bzw. zu Früh- und Mangelgeburten führen.

Von den psychosozialen Faktoren stellen vor allem psychische Belastungen der Mutter, z.B. Partnerschaftsprobleme, negative Einstellungen zur Schwangerschaft, beruflicher Streß und soziale und finanzielle Notlagen, Risiken für das Ungeborene dar. Vermittelt über psychoneuroendokrinologische Prozesse (Psychoneuroendokrinologie) beeinflussen sie den Hormonhaushalt (Hormone) und den Stoffwechsel der Mutter und erhöhen so die Gefahr eines Abortes bzw. einer Frühgeburt.


 
     
 
 
 
     
 
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