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Depressionstherapie verhaltenstherapeutische

 
     
   
empirisch abgesichertes Verfahren, das sich nach Ergebnissen kontrollierter Therapiestudien (Hautzinger, 1997, 1998) als mindestens gleich effektiv in der Beeinflussung depressiver Symptome wie eine medikamentöse Behandlung mit Antidepressiva, in der Langzeitwirkung sogar zum Teil überlegen erwiesen hat. Die wesentlichen Komponenten der Behandlung sind in der Tab. dargestellt. Sie beschreiben nach Hautzinger (1997) grundlegende Aspekte der psychotherapeutischen Depressionsbehandlung.

Ein wichtiges Ziel der Anfangsphase der Behandlung ist die Verringerung der Hoffnungslosigkeit, die Vermittlung einer Perspektive und die Entlastung des Patienten. Dies geschieht auf der Grundlage einer vertrauensvollen therapeutischen Beziehung durch die Vermittlung eines adäquaten Störungs- und Therapiemodells. Die verhaltenstherapeutische Depressionsbehandlung beginnt häufig mit einem Aktivitätsaufbau mit dem Ziel, die Inaktivität zu überwinden und die Stimmung durch erste Erfolgs- und Kontrollerlebnisse zu beeinflussen. Die Rate entspannender, angenehmer oder ablenkender Aktivitäten wird erhöht und schrittweise Aufgaben des Alltags bewältigt. Während dieses Therapieabschnitts wird meist schon deutlich, daß die Patienten sehr von negativen Gedanken des Mißerfolgs, der Sinnlosigkeit und Demoralisierung beeinflußt werden. In dem weiteren Vorgehen werden gezielt diese negativen Gedanken und Sichtweisen behandelt. Durch Selbstbeobachtung anhand von Tagesprotokollen (Spaltentechnik) erkennen die Patienten ihre typischen negativen Verarbeitungsmuster und lernen, sie mit therapeutischer Hilfe (sokratischer Dialog, Realitätsüberprüfung, Reattribution, Entkatastrophisieren, Entwicklung von Alternativen) in Frage zu stellen. Ein wesentlicher Aspekt dabei ist, daß die Patienten erleben, welche Auswirkungen eine veränderte Sichtweise auf ihr Verhalten und ihre Emotionen haben. Durch Rollenspiele und Verhaltensübungen werden soziale Fertigkeiten und ein selbstsicheres Verhalten (wieder) aufgebaut und die soziale Wahrnehmung verbessert. Dabei ist es in einigen Fällen sinnvoll, den Partner und die Familie miteinzubeziehen. In allen Abschnitten der Therapie spielt der Transfer in den Alltag eine wichtige Rolle. Der Patienten wird ermutigt, das in den Sitzungen Besprochene umzusetzen. Der letzte Teil der Behandlung enthält u.a. eine Rückfallprophylaxe, bei der es um die Vorbereitung auf Krisen geht.

Literatur

Hautzinger, M. (1997). Affektive Störungen. In K. Hahlweg & A. Ehlers (Hrsg.), Enzyklopädie der Psychologie. Serie 2 Klinische Psychologie. Band 2 Psychologische Störungen und ihre Behandlung (156-239). Göttingen: Hogrefe.

Hautzinger, M. (1998). Depression. Göttingen: Hogrefe.



Wesentliche Komponenten psychologischer Depressionstherapie (verändert nach Hautzinger, 1997).



Förderung eines kooperativen Arbeitsbündnisses durch Aufbau von Vertrauen und Hoffnung auf Besserung.

Förderung der Behandlungsmotivation durch Transparenz: Erklärungen geben (Diagnose, Ursache/Auslöser), Therapiemodell erläutern (Zusammenhang von Verhalten, Denken und Fühlen), Begründungen geben.

Kooperation und Mitarbeit des Patienten von Beginn an fördern (Übungen zwischen den Sitzungen, Ausprobieren, Realitätstesten).

Problemorientierung (nicht die Depression wird behandelt, sondern konkrete Probleme, die mit der Depression verbunden sind).

Strukturiertes Vorgehen durch die Festlegung von Zielen, Bearbeitung der Probleme nach einem besprochenen Vorgehen.

Steigerung der Selbstwirksamkeitserwartungen der Patienten durch den Aufbau von Aktivitäten und neuer Fertigkeiten (angenehme, soziale Aktivitäten).

Kontrolle über negative Gedanken erlangen durch Selbstbeobachtung, erkennen von Zusammenhängen, Alternativen erarbeiten und erproben.

Toleranz für depressive Beschwerden entwickeln (tätig werden trotz Müdigkeit).

Vorbereitung auf Krisen und Rückschläge.

Einbezug des Lebenspartners und der Familie.


 
     
 
 
 
     
 
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