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Mantik

 
     
   
die Kunst der Vorhersage (Prophetie). Sie beruht eigentlich immer darauf, daß man sich durch die Ähnlichkeit der Formen in der außermenschlichen Natur mit menschlichen Lebensumständen dazu verführen ließ, von dem einen auf das andere zu schließen. Hier liegt also die Auffassung des Animismus und der Magie zugrunde, der Glaube, daß alles mit allem zusammenhängt und auf den Menschen zielt, der es betrachtet. So ordnet man etwa in der Astrologie die Sterne zu Bildern, aus denen sich angeblich etwas über die persönliche Zukunft herauslesen läßt. Der Wunsch, das Schicksal vorherbestimmen zu können, hat erst die wissenschaftliche Himmelsforschung, die Astronomie, vorangetrieben. Die Charakterneigung eines Menschen hat aber mit den Tierkreiszeichen direkt nichts zu tun, und erst recht läßt sich aus diesen Bildern nichts über sein weiteres Leben sagen. Während sich die Astrologie über mehrere tausend Jahre bis in die Gegenwart erhalten hat, sind andere mantische Praktiken in der abendländischen Kultur von heute nahezu verschwunden, so die Kunst der antiken Auguren, aus dem Vogelflug oder den Innereien eines Opfertieres die Zukunft zu lesen. Heute bedienen sich die »Wahrsager« auch der Karten und des Kaffeesatzes, oder sie studieren die Handlinien (Chiromantie). Ihre Aussagen wirken manchmal sehr treffend, aber das beruht eher auf Menschenkenntnis als auf prophetischen Gaben. Meist sagen sie, was ihr Kunde hören möchte, und gelegentlich wissen sie von Wünschen, die ihrem Klienten selbst nicht bewußt sind: sie zapfen wohl, selbst unbewußt, auf telepathischem Wege das Unbewußte an. Einige Treffer von Propheten aller Art könnten auch auf einer Gabe der »Präkognition« beruhen, die von der modernen Parapsychologie untersucht wird, einer Gabe jedoch, die niemals zuverlässige Angaben liefern kann. Auch Hilfswissenschaften der Psychologie haben als Mantik begonnen. Die frühe Physiognomik suchte im menschlichen Gesicht nach Bildern, die wie Symbole zu deuten wären. Die frühe Graphologie hielt sich bei der Deutung der Handschrift an einzelne Zeichen statt an den Zusammenhang, in dem allein sie zu verstehen sind. Eine irgendwie nützliche Aussage über die Zukunft läßt sich nur nach Untersuchung der verschiedensten objektiven und subjektiven Lebensumstände machen, die in ihrem Verhältnis zueinander gewertet werden müßten. Noch die modernen Futurologen beweisen, daß sie viel zu kurzsichtig vorgehen, als daß sie eine realistische Utopie entwerfen könnten. Aber der Antrieb der Mantik, die Sehnsucht nach einer Sicherheit’ für das Morgen, ist eben unsterblich.
 
     
 
 
 
     
 
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