A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
 
 

 

 

 

 

Virginität

 
     
   
»Jungfräulichkeit«, allgemein: die sexuelle Unerfahrenheit eines jungen Menschen, im engeren Sinne: die Unversehrtheit des Hymens bei einem Mädchen. Ein Mädchen oder auch ein junger Mann können schon sehr viele und auch sehr eindrückliche sexuelle Erfahrungen gemacht haben, ehe sie den ersten Koitus vollziehen. Andererseits bleibt manche Frau, die längst defloriert worden ist, danach immer noch sexuell unerschlossen, weil sie ihre eigenen Bedürfnisse noch nicht erkannt hat oder noch nicht hat freigeben können. Die erste volle Geschlechtspartnerschaft ist oft weniger ein scharfer Einschnitt als eine Stufe in einer langen Entwicklung, die mit der Geburtbeginnt und bis ins hohe Alter andauert. Dennoch kann das Erlebnis der ersten Geschlechtsvereinigung für einen jungen Mann ebenso wie für ein Mädchen prägend wirken. Frauen hängen manchmal ein Leben lang gefühlsmäßig an dem Manne, der sie »zur Frau gemacht« hat. Die Verletzung des Hymens, die damit meist einhergeht, galt bis in unsere Zeit hinein als so einschneidend, daß sie von Tabus umgeben war. Sie ist sosehr mit Aggression verknüpft, daß man in alten Kulturen die Defloration dem Gatten abnahm, um ihn vor Rachegefühlen zu schützen, und die Aufgabe Priestern oder anderen Männern mit Autorität überließ. Das wirkte sich noch auf das »Jus primae noctis« aus, das Recht des Gutsherren auf die erste Nacht mit der Braut eines Lehnsuntertanen. In der bürgerlichen Moral hatte sich das Tabu genau umgekehrt; nun wurde vom Mädchen erwartet, daß sie als Jungfrau in die Ehe trat, und nur ihr Gatte durfte sie entjungfern. Dahinter stand der Wunsch des Mannes, die Gefährtin zu prägen, ohne den Vergleich mit anderen Männern fürchten zu müssen. Das hieß meist, daß die Gattin nicht die erste Frau war, mit der der Mann die Geschlechtsvereinigung erfuhr. Seine erste Erfahrung stammte vielfach sogar aus einer Beziehung, in der die Partnerin als Person kaum zählte. Wird ein Mann jedoch von einer Frau sowohl in die volle Sexualität als auch zugleich in die Liebe eingeführt, so kann diese Erfahrung auch ihn entscheidend prägen und binden. Vision, der Eindruck wie von einem Anblick, doch ohne daß eine Sinneswahrnehmung stattfindet. Anders als bei abstrakten Vorstellungen wird in der Vision ein bildhafter Vorgang erlebt. Die Vision muß nicht eine Sinnestäuschung sein; anders als bei der Halluzination kann durchaus das Bewußtsein vom Unterschied zur faßbaren Realität erhalten bleiben. Zu Visionen kommt es in ekstatischen Zuständen, auch unter dem Einfluß von Alkohol und anderen Rauschgiften, oder im Zusammenhang mit seelischen Krankheiten, besonders Psychosen. In vielen Religionen gelten »Gesichte« als göttliche Offenbarungen. Für die Psychologie sind sie Ausdruck innerer Bedürfnisse und Konflikte. In ihnen gewinnen Regungen Gestalt, die sonst unbewußt bleiben. Aus einer Art von Visionen entstehen manche Eingebungen von Künstlern und wissenschaftlichen Neuerern. Visionen sind den Träumen nahe verwandt.
 
     
 
 
 
     
 
<< vorhergehender Begriff
nächster Begriff >>
Vincent-Kurve
Virilisierung
 
     
     
 

 

 
     

 

   
  Weitere Begriffe : anorthoskopische Wahrnehmung | Hofstätter | Prozentrangplatz
PSYCHOLOGY48 | ÜBERBLICK | THEMEN | DAS PROJEKT | SUCHE | RECHTLICHE HINWEISE | IMPRESSUM
Copyright © 2017 All rights reserved. Psychologielexikon