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Bauern

 
     
   
Besitzer oder Pächter von Feldern und Herden, von deren Ertrag sie mit ihrer Familie und ihrem Gesinde leben. Der Übergang von der Jagd zur Viehzucht, vom Nomadendasein der Hirten und Sammler zur Seßhaftigkeit und zum Ackerbau stellte eine entscheidende Kulturstufe dar. Die neuen Verhältnisse verlang ten auch eine andere Form der mitmenschlichen Gemeinschaft, und sie brachten Umwelterfahrungen, die sich auf die seelische Entwicklung eines jeden einzelnen auswirken mußten. So hatten Jäger und Krieger bei ihren Beutezügen die Frauen bei den Kindern in der Siedlung zurücklassen und ihnen damit eine Ordnungsmacht einräumen müssen. Erst mit der Seßhaftigkeit setzte sich die Vorrangstellung des Mannes, die Herrschaft des Vaters (Patriarchat) durch. Anders als später in der Stadt, in der die Familie des Bürgers an seiner Arbeit als Handwerker oder Händler nicht mehr unmittelbar teilnimmt, bildeten der Bauer, seine Frau und seine Kinder eine Arbeitsgemeinschaft. Dadurch stellten die Kinder auch einen materiellen Wert dar. Sie wuchsen allmählich und unvermerkt in die Arbeitswelt hinein. Sie erfuhren auch wie selbstverständlich von den natürlichen Vorgängen der Sexualität, die während einer langen Periode der bürgerlichen Kultur dem Kinde so weit als möglich ferngehalten wurden. Noch heute läßt sich bei Menschen, die unter bäuerlichen Verhältnissen aufgewachsen sind und als Kinder die Sexualität der Tiere beobachtet haben, eine andere Einstellung zur Geschlechtlichkeit als bei Städtern erkennen. Man lebte in Großfamilien zusammen, zu denen bis zu einem gewissen Grade auch Knechte und Mägde gehörten. Die Alten wurden nicht streng abgesondert; ihnen war ein Altenteil sicher, ihr Rat wurde gefragt, und die Beziehung zwischen Großeltern und Enkeln glich wohl manche Spannungen zwischen Eltern und Kindern aus. In diesem Beieinander der Generationen wurde das Bewußtsein einer familiären Tradition genährt. Ehen wurden weniger aus Liebe geschlossen als im Interesse der Sippe, im Hinblick auf Zusammenlegung von Eigentum, mit Rücksicht auf die Arbeitskraft der Frau und nicht zuletzt in der Hoffnung auf reichen Nachwuchs. Das Verhältnis des Vaters zum ältesten Sohn wurde oft gespannt, wenn es galt, ihm die Herrschaft abzutreten. Der Bauer galt als dumm und roh, wurde auch vielfach in diesem Zustand gehalten. Gegenden mit vorwiegend bäuerlicher Wirtschaft wurden von der Entwicklung der Kultur kaum berührt, sie waren »zurückgeblieben«. Dort stand und steht man noch viel stärker als in der städtischen oder gar der modernen industriellen Kultur unter den Gesetzen der Natur. Die Beziehung zur Fruchtbarkeit und die Abhängigkeit vom Wetter erhält eine religiöse Einstellung, die der einer Naturreligion ähnelt. Formen der Magie und des Animismus sind hier von den Vorstellungen der Hochreligion nur überdeckt. Die Beständigkeit des Bodens, dessen Besitz über Generationen weitergegeben wird, bestimmt auch das Festhalten an Traditionen und den Widerstand gegen alles Neue. Heute scheint sich die Agrarwirtschaft immer mehr der industriellen Produktion anzugleichen. Auch hier haben Technik, Chemie, Rationalisierung, Management und Marketing Einzug gehalten. Im Zeitalter von Rundfunk und Fernsehen ist auch der einsamste Bauernhof vom allgemeinen Trend kaum noch isoliert. Dennoch stößt die Eingliederung der Bauern in die Industriegesellschaft auf große wirtschaftliche, soziale und psychologische Widerstände. Ein Zeichen dafür findet sich in zahllosen Kinder-Bilderbüchern, in denen der Bauer immer noch aus einem Tuch mit der Hand sät und immer noch die Sense schwingt. Die Idylle vom »einfachen Leben« wird die neue Wirklichkeit der Getreide und Fleischfabriken noch lange verklären.
 
     
 
 
 
     
 
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