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Gesundheitsförderung

 
     
   
umfaßt eine Reihe von Bemühungen auf mehreren Ebenen, in deren Mittelpunkt der Mensch steht, der junge und der alte, der kranke und der gesunde, der engagierte und der desinteressierte, der fördernde und der blockierende Mensch. Den Bemühungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und anderer Organisationen im Bereich der Gesundheitsförderung kommt eine von vielen Menschen in aller Welt getragene Gesundheits-Bewegung entgegen. Sie zeigt sich auch in einem stärker werdenden Interesse am eigenen Körper. Allerdings lassen sich verschiedene "somatische Kulturen" voneinander abgrenzen, die durchaus nicht in gleicher Weise zum Gesund-Sein beitragen (vgl. z.B. Helfferich 1994): die somatische Kultur der Abhärtung, die somatische Kultur des ästhetisierten und ausgestellten Körpers, die somatische Kultur der "Verschwendung" des Körpers in einer Protest-Subkultur, die somatische Kultur der Askese und der Körperkontrolle.

Als Felder, in denen Gesundheitsförderung notwendig und möglich ist, sind aber weit mehr Bereiche festzuhalten und durch die verschiedenen Agenturen - öffentliche Gesundheitsdienste, private Träger-Initiativen, Selbsthilfegruppen - erschlossen:

- gesunde Ernährung (Ernährungspsychologie)

- Umgang mit Genußmitteln und Suchtstoffen

- Sexualverhalten (Sexualität)

- Bewegung und Körpergefühl

- Abwehr von Umweltschäden (Umweltpsychologie).

Gesundheitsförderung setzt konzeptionell auf mehreren Ebenen an: 1) Auf der individuellen (Lern-)Ebene wird nicht allein auf die präventive Funktion von Informationen vertraut, auch nicht auf Methoden der Abschreckung und des Drohens mit Risiken und Folgen bestimmter Verhaltensweisen. Vielmehr wird die Glaubwürdigkeit von Botschaften und Aufklärungsmedien auch durch emotional tragfähige und durch Probehandeln in alternativen Situationen eingeübte Haltungen erhöht. Dazu ist es notwendig, Botschaften personal zu vermitteln und Möglichkeiten zu bieten, an Vorbildern zu lernen. Dies ist deshalb in keinem Bereich mit einer einmaligen Maßnahme erledigt, sondern braucht Kontinuität, muß zu einem Lernprinzip werden. 2) Auf der (Lern- und Entwicklungs-)Ebene von Gruppen gibt es viele gut erprobte Ansatzpunkte: regelmäßige Fortbildungsangebote, kommunale Arbeitskreise Gesundheit, Elternabende, Familienseminare/-freizeiten, Kommunikationsförderung zwischen den an Gesundheit arbeitenden Professionen, Nutzung von Sport- und anderen Gruppen für Anliegen der Gesundheitsförderung usw. 3) Schließlich gilt es auf der strukturellen Ebene, auf Institutionen aller Art einzuwirken. Unsere Gesellschaft und ihre Institutionen sind sicher nicht bewußt gesundheitsschädigend, aber auch nicht überaus oder nur selten durchdacht gesundheitsfördernd. Hier gibt es viel zu bewegen, um die pädagogischen Institutionen, die gebaute Umwelt, den Straßenverkehr, den öffentlichen Nahverkehr und sogar die speziell für die Gesundheit zuständigen Institutionen im Sinne der Gesundheitsförderung zu gestalten. Ansatzpunkte gibt es in den aktuellen Programmen zur Stadt- und Regionalplanung oder zum Umweltschutz. Auch wenn dies nicht überall selbstverständlich sein dürfte, muß sich Gesundheitsförderung in solche Prozesse und Programme einmischen.

Die WHO hat in diesem Sinne ein differenziertes Programm im Sinne von environmental health entwickelt, also zum Gesund-Sein in Arbeits-, Wohn- und Lebensumwelten. Dazu gehören die "gesunden Städte", "gesunden Firmen" und "gesunden Kliniken". Ein auch in Deutschland sehr beachtetes Modell ist das Programm der "gesunden Schulen". Hier soll in der Schule Gesundheitsförderung praktiziert werden, die nicht nur das Verhalten von Kindern und Erwachsenen in den Blick nimmt, sondern auch die Rahmenbedingungen der Schule selbst. Da stehen die Gebäude mit ihren schädlichen Baustoffen ebenso zur Debatte wie die Unterrichts- und Pausenzeiten, das Mobiliar ebenso wie das Schulfrühstück, die das Schulgebäude umgebende Landschafts- und Verkehrsgestaltung ebenso wie die aktive Vernetzung der Schule mit der Gemeinde, ihren Einrichtungen und Menschen.

Literatur

Heckmann, W. (1995). Prävention und Hilfe. In G. Bienemann, M. Hasebrink & B.W. Nikles (Hrsg.), Handbuch des Kinder- und Jugendschutzes. Münster.

Helfferich, C. (1994). Jugend, Körper und Geschlecht - Die Suche nach sexueller Identität. Opladen.

Hoehne, R. (1993) Wie geht´s den Kindern? In Deutsches Jugendinstitut (Hrsg.) Was für Kinder. München.


 
     
 
 
 
     
 
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