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Infantilismus

 
     
   
das Zurückbleiben auf kindlicher Stufe oder auch ein Rückfall (Regression) dorthin. Es gibt einen körperlichen Infantilismus, der meist auf Funktionsstörungen der Drüsen, besonders der Keimdrüsen zurückgeht. Dann wird das Wachstum des ganzen Körpers oder einzelner Organe, oft gerade der Geschlechtsorgane und der sekundären Geschlechtsmerkmale beeinträchtigt. Meist geht die körperliche Entwicklungshemmung mit einer Hemmung der seelischen Reife einher; aber das ist nicht immer der Fall. Recht häufig dagegen ist ein psychischer Infantilismus ohne körperliche Entsprechung. Infolge der Hemmungen, die in der Erziehung des kleinen Kindes der Entwicklung seiner Sexualität entgegengestellt worden sind, zeigen sich in der sexuellen Einstellung des Erwachsenen besonders oft infantile Züge. So kann man die Überbetonung des oralen, analen, voyeuristischen oder exhibitionistischen Partial-Triebs als Überbleibsel aus den entsprechenden infantilen Phasen verstehen. Fixierungen, etwa in der Art des Fetischismus, folgen dem Muster kindlicher Eindrücke. Das Imago, nach dem man das eigene wie das andere Geschlecht beurteilt, ist ein Abbild der Eltern. Die Konflikte des Kindes zwischen seinen Eltern bestimmen weitgehend die Komplexe, die das seelische Leben auch weiterhin leiten. Der Kampf zwischen dem Verlangen nach Triebbefriedigung und der Anpassung an die Verbote der Eltern, also an die kulturbedingte Moral, führt in einem gewissen Stadium der Kindheit zu einer Art Neurose, die zwar unbemerkt bleiben kann und sich oft gleichsam von selbst ausheilt, die aber dann später zum Vorbild und Urgrund der Neurose eines Erwachsenen werden kann. Das Kind sucht Liebe, die ihm um seinetwillen und unter allen Umständen gewährt wird, obwohl es immer wieder erfährt, daß es Liebe durch Gehorsam und andere Verdienste erwerben muß, und obwohl es ständig von Liebesentzug bedroht ist. Der infantile Wunsch nach fragloser Liebe bleibt ein Leben lang in unterschiedlicher Stärke vorhanden. Bei den Menschen, die deshalb überhaupt nichts tun, um Liebe zu verdienen, kann man von Infantilismus sprechen. Infantil ist auch eine Denkweise, die sich nach den Wünschen richtet statt nach der Realität, oder der Glaube, man könne die Außenwelt durch rein seelische Akte verändern (Magie, vgl. auch Animismus). Es ist dies zugleich die Denkweise der Naturvölker, deren Entwicklungszustand sich durchaus mit dem eines Kindes vergleichen läßt. Der reife Mensch muß das Lustprinzip zugunsten des Realitätsprinzips überwinden. Dennoch kann ein gewisser Infantilismus sehr anziehend wirken. Er schließt eine Frische des Erlebens, eine Unbefangenheit des Handelns, eine Jugendlichkeit ein, wie sie sich die meisten Menschen bewahren möchten. Man sollte das Kind in sich nicht ganz unterdrücken, ihm einen Spielraum gewähren, ohne den Unterschied zwischen der Kindheit und der Realität des Erwachsenen-Lebens zu vergessen.
 
     
 
 
 
     
 
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